Windräder vor einer dunklen Wolkendecke auf einem Rapsfeld.

Windräder bei Sturm: Wie sicher ist die Energieerzeugung bei Unwetter?

Windkraftanlagen arbeiten im Freien und sind damit jedem Wetter ausgesetzt. Ob Gewitter, Schnee oder Sturm: Die rund 29.800 Windräder in Deutschland müssen einiges aushalten, um umweltfreundlich Strom zu produzieren. Mit der Klimakrise nehmen Extremwetterlagen weiter zu. Umso wichtiger ist die Frage: Wie wirken sich Sturmböen und Gewitter auf die Stromerzeugung aus? Wir zeigen euch, unter welchen Bedingungen Anlagen am besten laufen – und wie sich Windräder bei Sturm schützen. 

Inhalt

Optimale Windgeschwindigkeit für Windkraftanlagen: Was passiert bei Sturm?

Windräder brauchen Wind, um echten Ökostrom zu erzeugen – logisch. Am besten arbeiten sie unter konstanten Bedingungen, also wenn der Wind gleichmäßig weht und nicht in Böen anzieht und abflaut. Dabei gilt grundsätzlich: Mehr Wind bedeutet mehr Strom.  

Die wetterbedingten Schwankungen in der Stromproduktion sehen wir auch an unseren eigenen Windenergieanlagen, die Green Planet Energy deutschlandweit betreibt. Laut dem Bundesverband WindEnergie erreichen viele Windkraftanlagen ihre maximale Stromproduktion – die sogenannte Nennleistung – ab Windgeschwindigkeiten von ungefähr 12 Metern pro Sekunde (m/s). Weht der Wind schwächer, drehen die Rotoren langsamer und erzeugend entsprechend weniger Strom. Unterhalb von 2,5 m/s kommt es oft vor, dass viele Anlagen stillstehen. Bei höheren Windstärken oder Sturm arbeiten die Windräder dagegen konstant an ihrem Leistungslimit, was einige Herausforderungen mit sich bringt. 

Die Windstärken im Überblick

Windstärken im Überblick
BeaufortBezeichnungm/s
0Windstille0 bis <0,3
1leiser Zug0,3 bis <1,6
2leichte Brise1,6 bis <3,4
3schwache Brise3,4 bis <5,5
4mäßige Brise5,5 bis <8,0
5frische Brise8,0 bis <10,8
6starker Wind10,8 bis <13,9
7steifer Wind13,9 bis <17,2
8stürmischer Wind17,2 bis <20,8
9Sturm20,8 bis <24,5
10schwerer Sturm24,5 bis >28,5
11orkanartiger Sturm28,5 bis <32,7
12Orkan32,7 und mehr

 

Stromerzeugung bei Sturm: Was sind die Herausforderungen?

  1. Überforderung des Stromnetzes: Bei Sturm produzieren viele Windräder gleichzeitig sehr viel Strom. Das kann das Stromnetz überlasten. Wenn das Netz diesen Überschuss nicht ausgleichen kann, müssen Anlagen heruntergeregelt oder vorübergehend abgeschaltet werden. Tobias Reinicke, ehemaliger Projektingenieur bei Green Planet Energy, erklärt „Die Herausforderung besteht im ‚Abtransport‘, also der Verteilung der anfallenden Strommengen.“  
  2. Überangebot drückt die Strompreise: Weht der Wind stark, steigt das Stromangebot deutlich – teilweise über die Nachfrage hinaus. Dann können Strompreise ins Negative fallen. Das ist unwirtschaftlich: Eine Einspeisung lohnt sich für den Betreiber nicht mehr. Daher gehen Anlagen temporär vom Netz. 
  3. Hohe Belastung der Windkraftanlagen bei Sturm: Starke Böen setzen Rotorblätter, Gondel und Turm enormen Kräften aus. Das kann zu Sturmschäden an der Anlagentechnik führen. 
  4. Unwetterschäden an Stromleitungen: Stürme können Stromleitungen oder Umspannwerke beschädigen. Auch wenn Windräder selbst nicht betroffen sind, kann das Auswirkungen auf den Netzbetrieb haben. 

Sind Windräder bei Unwetter sicher?

Ob Sturm, Starkregen und sogar Blitzeinschläge: Windräder halten Unwetter aus – vorausgesetzt, sie werden fachgerecht gebaut und regelmäßig gewartet. Dafür ist der Betreiber zuständig. In Deutschland gelten hohe Sicherheitsstandards beim Bau und Betrieb von Windrädern. Grundlage dafür sind internationale Normen wie die IEC 61400, die die Belastung durch Extremwetter mitdenken. 

Trotzdem hat jede Anlage natürliche Grenzen: Orkane oder außergewöhnliche Extremwetterereignisse können Schäden verursachen – besonders bei älteren Anlagen. Tobias Reinicke sagt dazu: „Wenn die Anlage unter Volllast läuft, ist die Belastung für die Anlagentechnik auch am höchsten. Dann kann es bei Starkwind häufiger zu internen Schäden an der Anlagentechnik kommen, die jedoch meist schnell von unseren Servicepartnern behoben werden können.“

Wichtig: Die wenigen spektakulären Schadensfälle, von denen in den Medien berichtet wird, bleiben Ausnahmen. Damit es gar nicht so weit kommt, verfügen moderne Windkraftanlagen über automatische Schutzsysteme, die sie rechtzeitig entlasten, bevor ein Unwetter zur Gefahr werden könnte. 

Wie genau sind Windräder bei Sturm und Gewitter abgesichert?

Moderne Windräder können sich selbst vor Schäden schützen, wenn der Wind kräftig zulegt. Registrieren ihre Sensoren, dass die Anlage an ihrer Leistungsbegrenzung arbeitet, greift automatisch die Pitchregelung: Die Rotorblätter drehen sich um ihre Längsachse – ähnlich wie die Flügel eines Flugzeugs. Durch den Anstellwinkel können Windkraftanlagen aktiv steuern, wie viel Wind die Rotorblätter aufnehmen. Sind die Rotorblätter komplett in Fahnenstellung gedreht, nehmen diese keine Kraft mehr auf – die Anlage bleibt stehen. Damit sie sicher herunterfahren kann, reicht es aus, nur ein Blatt in Fahnenposition zu stellen. 

Auch bei Gewitter sind Windräder sicher: In jedem Rotorblatt und im Turm verlaufen Blitzableiter, die einen Einschlag kontrolliert in den Boden ableiten. Und was ist mit Schnee oder Hagelschlägen? „Schneemassen und Hagel sind nicht so das Thema, weil Windräder keine große oder empfindliche Fläche besitzen, auf denen Schneemassen liegen bleiben oder die durch Hagel beschädigt werden könnten“, erklärt Tobias Reinicke, ehemaliger Projektingenieur bei Green Planet Energy. Wenn die Rotorblätter vereisen, werden die Windräder automatisch abgeschaltet.

Zwei Personen stehen in hellgrün leuchtenden Jacken vor einem Windrad auf einem Feld. Der Himmel ist dunkel bewölkt.

Wann werden Windräder bei Sturm abgeschaltet?

Bei schweren Stürmen können Windräder ihre Arbeit selbstständig einstellen, um Sturmschäden zu vermeiden. Die Sensoren des Windrads messen konstant die Windgeschwindigkeiten. Wird die sogenannte Cut-Out-Geschwindigkeit überschritten, drehen sich die Rotorblätter komplett aus dem Wind in die Fahnenstellung. Dort stehen sie wie eine Fahne in Windrichtung und bieten kaum Angriffsfläche. Es kommt zum bewussten Strömungsabriss am Blatt und das Windrad kommt zum Stehen. „Die meisten Windenergieanlagen werden bei einer Windgeschwindigkeit von ca. 25 m/s abgeschaltet“, weiß Tobias Reinicke.  

Auch für den Notfall sind Windräder vorbereitet: Fällt ein technisches System aus, sorgen kleine Akkus dafür, dass die Anlage trotzdem ins sichere Stillstehen kommt. Tobias Renicke bringt es auf den Punkt: „Die wichtigste Maßnahme ist, dass die Windenergieanlagen unabhängig von Extremwetterlagen und externer Stromversorgung immer ihre Blätter aus dem Wind fahren können.“

Welche Vorteile bringen moderne Windräder bei Blitzeinschlag, Starkregen und Sturm?

Moderne Windräder sind meistens deutlich robuster. Sie verfügen über stabilere Materialien und eine höhere Nabenhöhe. Das hilft ihnen, den Wetterbedingungen besser standzuhalten. In der Höhe weht der Wind auch gleichmäßiger, sodass die Windräder weniger nachregeln müssen und stabiler Strom produzieren können. 

Ingenieur:innen arbeiten laufend daran, Windräder bei Sturm noch widerstandsfähiger machen: mit feinerer Sensorik, schnelleren Pitchregelungen und durch eine verbesserte Aerodynamik. Damit Windräder auch bei zunehmenden Wetterextremen durch den Klimawandel sicher laufen. 

Übrigens: Viele ältere Windkraftanlagen müssen in den nächsten Jahren zurückgebaut werden. Wie nachhaltig das Recycling von Windenergieanlagen abläuft, könnt ihr hier nachlesen.

Wie lässt sich Windstrom bei Sturm besser nutzen?

Speichertechnologien 

Um überschüssige Windenergie bei Sturm künftig besser nutzen zu können, braucht es Speichertechnologien: Große Batteriespeicher oder Pumpspeicherwerke könnten Windstrom aufnehmen und später – etwa bei einer Dunkelflaute – zur Verfügung stellen, wenn kaum erneuerbarer Strom produziert wird. Die Speicherung von Windstrom wird zur Zeit in ersten Projekten getestet. Schon gewusst? Windstrom kann dank neuester Technologien in grünen Wasserstoff umgewandelt werden (Power-to-Gas) – ein wichtiger Beitrag zur Wärmewende! Mit proWindgas von Green Planet Energy könnt ihr schon heute auf nachhaltiges Ökogas beim Heizen setzen. 

Intelligentes Lastmanagement 

Ergänzend ist ein intelligentes Lastmanagement sinnvoll: Der Stromverbrauch wird an die Verfügbarkeit des Windstroms angepasst: zum Beispiel, indem E-Auto-Ladestationen dann laufen, wenn viel Windstrom erzeugt wird. So kann echter Ökostrom direkt und sinnvoll genutzt werden! 

Netzausbau 

Ein Punkt bleibt zentral: der Netzausbau. Nur mit einem gut ausgebauten Stromnetz (z. B. Höchstspannungs-Übertragungsnetz) können große Mengen Windstrom sicher dorthin transportiert werden, wo sie gebraucht werden. Hier gibt es in Deutschland noch viel Luft nach oben! 

Fazit: Windräder produzieren auch bei Sturm sicher und umweltfreundlich echten Ökostrom

Windräder halten selbst starkem Wind und Unwetter stand – und werden dank neuer Technologien und smarter Schutzsysteme immer widerstandsfähiger. So wird umweltfreundlicher Windstrom auch bei zunehmenden Extremwetterlagen effizient erzeugt.

Die Herausforderungen von Windrädern bei Sturm liegen heute vor allem im Stromnetz: Große Speicher, eine intelligente Steuerung des Stromverbrauchs und der Ausbau starker Stromleitungen tragen dazu bei, mit der überschüssigen Windenergie umzugehen, ohne das Netz zu überlasten. Klar ist: Damit wir in Zukunft noch mehr sicheren, sauberen Strom nutzen können, braucht es den konsequenten Ausbau der Windenergie und ein Stromnetz, das fit für die Energiewende ist. 

Ihr wollt selbst zur Energiewende beitragen? Dann wechselt jetzt zu echtem Ökostrom von Green Planet Energy.

Mehr über unseren Ökostrom erfahren

Preisrechner Ökostrom

Personen im Haushalt
kWh/Jahr

Empfohlen und ausgezeichnet von

FAQ – Häufige Fragen zu Windrädern bei Sturm

Wird bei einem Sturm mehr Strom erzeugt?

Ja. Grundsätzlich gilt: Je stärker der Wind, desto mehr Strom kann ein Windrad erzeugen. Viele Anlagen erreichen ab einer Windgeschwindigkeit von 12 m/s ihre maximale Leistung. Wenn die Windgeschwindigkeit jedoch über der so genannten Cut-Out-Windgeschwindigkeit (in der Regel ab 25 m/s), drehen die Rotorblätter komplett aus dem Wind und das Windrad stoppt. Dann wird kein Strom mehr erzeugt, damit die Technik geschützt bleibt und das Stromnetz nicht überlastet wird. 

Warum stehen Windräder bei Sturm manchmal still?

Windräder können aus mehreren Gründen pausieren: Zum Schutz von Vögeln und Fledermäusen stehen Anlagen in bestimmten Jahreszeiten oder Wetterlagen zeitweise still – das gilt insbesondere für Windkraft im Wald. Auch aus Rücksicht auf Anwohner:innen werden Windräder gelegentlich abgeschaltet.  

Häufiger liegt es jedoch am Stromnetz: Wenn es bei starkem Wind mehr Strom gibt, als über die regionalen Stromleitungen transportiert werden kann, werden Anlagen abgestellt, um das Netz nicht zu überlasten. Das Überangebot an Strom lässt die Strompreise fallen – so sehr, dass eine Einspeisung des Stroms ins Netz nicht mehr wirtschaftlich ist. Bei negativen Strompreisen müssen Betreiber im schlimmsten Fall draufzahlen, und stellen den Betrieb deshalb ein.  

Zusätzlich werden Windräder während Wartungsarbeiten oder Reparaturen abgeschaltet. Und natürlich kann es an den Windverhältnissen liegen: Wenn zu wenig Wind weht, drehen sich die Rotorblätter nicht. Bei Sturm schalten sich die Anlagen automatisch ab. 

Gibt es weniger Regen durch Windräder?

Nein, zumindest ist das nicht nachweisbar. Es gibt keine Studien, die die Auswirkung auf lokale Klima- und Wetterverhältnisse belegen.

Wie sicher sind Windräder bei Sturm?

Windkraftanlagen sind technisch ausgereift und sicher, wenn sie fachgerecht geplant, gebaut und gewartet werden. Die wenigen spektakulären Schadensfälle sind Ausnahmen und werden intensiv untersucht. Die Sicherheitsstandards in Deutschland gehören zu den höchsten weltweit.

Gibt es Fälle, in denen ein Windrad eingestürzt ist?

Solche Fälle sind sehr selten und meist auf Materialfehler, Wartungsmängel oder extreme Wetterereignisse zurückzuführen. Medienberichte über solche Ereignisse machen die Ereignisse häufig größer als sie sind. Das verzerrt die Realität.

Schlagwort
Beitrag teilen:

Ähnliche Artikel