PPAs: Heimliche Helfer im Strommarkt der Erneuerbaren
Power Purchase Agreements stabilisieren Strompreise & fördern die Integration von Ökostrom. Warum sie ins neue Strommarktdesign gehören. ➤ Jetzt lesen!

Auch wenn während einer Dunkelflaute weder Wind weht noch die Sonne scheint, bleibt die Stromversorgung in Deutschland zuverlässig gesichert. Denn Windenergie und Photovoltaik ergänzen sich im Jahresverlauf gegenseitig: Scheint weniger Sonne, dann weht oft mehr Wind – und umgekehrt. Außerdem produzieren moderne Windturbinen auch bei schwachem Wind Strom und Solarzellen werden immer effizienter. Biomasse, Geothermie und Wasserkraft sorgen für verlässliche Energie bei jeder Wetterlage. Wie das funktioniert, was eine Dunkelflaute eigentlich ist, wie oft sie vorkommen und wie unser Energiesystem auch in solchen Situationen zuverlässig funktioniert, erklären wir in diesem Beitrag.
Eine Dunkelflaute bezeichnet Phasen, in denen weder Solar- noch Windenergie erzeugt wird. Typischerweise tritt sie an kalten, regnerischen Wintertagen auf, wenn sich die Sonne hinter einer dicken Wolkendecke versteckt und gleichzeitig Windflaute herrscht.
Der Deutsche Wetterdienst hat analysiert, dass Dunkelflauten seltener vorkommen als angenommen: Durchschnittlich zweimal im Jahr sinken Wind- und Solarproduktion im Durchschnitt gleichzeitig für mindestens 48 Stunden unter eine kritische Schwelle. 2025 gab es vier Dunkelflauten, also deutlich überdurchschnittlich, dennoch stieg im gleichen Jahr der Anteil von Erneuerbaren Energien gegenüber dem Vorjahr: Die Dunkelflaute ist also kein Hindernis für die Energiewende. Das deutsche Stromsystem ist stabil und wird durch den Ausbau von Erneuerbaren und Speichern noch widerstandsfähiger.
Auch für diese Dunkelflauten-Dauer droht kein Blackout, denn die Versorgungssicherheit wird streng überwacht: Bundesnetzagentur hat bestätigt, dass die Stromnachfrage in Deutschland bis 2031 zu 100 % gedeckt werden kann – auch bei reduzierter Kohleverstromung. Eine sehr gute Nachricht, denn die Energiekrisen infolge der Kriege in der Ukraine und Uran zeigen deutlich auf, dass fossile Energieträger uns sehr abhängig von Importen und geopolitischen Ereignissen machen. Erneuerbare Energien bieten dagegen langfristig mehr Stabilität und Unabhängigkeit – auch in der Dunkelflaute.
Nach Daten der Bundesnetzagentur können Dunkelflauten zwischen 5 und 8 Tagen andauern. Die Strompreise steigen dabei oft nur für wenige Stunden pro Tag stark an. Besonders am frühen Abend sind Preisspitzen zu beobachten, wenn eine hohe Stromnachfrage auf ein abnehmendes Angebot aus Erneuerbaren Energien trifft. Sobald jedoch die Erzeugung aus Erneuerbaren Energien wieder zunimmt, sinken die Strompreise in der Regel schnell wieder ab.
Ein der vernetzte Stromhandel in Europa, Back-Ups und moderne Smart-Grid-Technologiensowie flexible Speicherlösungen sorgen dafür, dass Deutschland auch mehrtägige Dunkelflauten zuverlässig übersteht. Das sind diese Methoden im Detail:
Der europäische Binnenmarkt spielt eine zentrale Rolle bei der Absicherung gegen Versorgungsengpässe: Länder helfen sich gegenseitig aus und erhöhen die Versorgungssicherheit auf dem ganzen Kontinent. Anders als beim Import von Gas und Öl begeben wir uns damit nicht in einseitige Abhängigkeiten, sondern arbeiten mit unseren europäischen Nachbar:innen zusammen. So profitiert beispielsweise Frankreich im Sommer von günstigem deutschem Ökostrom. Erzeugen während einer Dunkelflaute deutsche Windenergieanlagen oder Photovoltaik weniger Energie, können wir Strom aus dem Ausland importieren. Die Hälfte dieses importierten Stroms kam übrigens schon 2024 ebenfalls aus erneuerbaren Energiequellen, zum Beispiel aus Dänemark. Da die Wetterlage in Europa divers ist, macht der innereuropäische Strommarkt auch für Erneuerbare die Stromversorgung flexibler.
Derzeit dienen noch Kohle- und Erdgaskraftwerke als Back-up für Dunkelflauten. Nach dem Kohleausstieg sollen Gaskraftwerke diese Aufgabe übernehmen und in den 2030er Jahren auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten, die die Importe fossiler Energieträger weiter reduzieren. Künftig sorgen sogenannte „Flexibilitätsoptionen“ für einen besseren Ausgleich zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch. Dabei handelt es sich Technologien und Maßnahmen, die es ermöglichen, die Stromerzeugung oder den Strombedarf gezielt anzupassen, um Schwankungen im Stromsystem auszugleichen:
| Individuelles Lastmanagement | Steuerbare Erzeugungsanlagen | Sektorenkopplung im Energiesystem | Demand-Side-Management |
|---|---|---|---|
| Anpassung des Stromverbrauchs in Industrie und Haushalten – verbrauchen wir weniger Strom, reduziert sich die Belastung. | Flexible Kraftwerke, die ihre Produktion anpassen können – z.B. Gaskraftwerke mit grünem Wasserstoff, der direkt in Deutschland mit Erneuerbarer Energie hersgestellt wird. | Wärmepumpen, Heizstäbe und Elektroautos: Strom wird künftig auch für Wärmeerzeugung und Mobilität genutzt. Das schafft zusätzliche Flexibilität und Speichermöglichkeiten im System, etwa durch bidirektionales Laden von E-Autos. | Die gezielte, smarte Steuerung von Verbrauchern etwa nach §14a EnWG spart Netzentgelte und ermöglicht es, Lasten gezielt zu steuern. |
Batteriespeicher speichern überschüssigen Wind- und Solarstrom und helfen so, Dunkelflauten zu überbrücken. Das gilt für kleine Akkus im Haushalt genauso wie für Großanlagen, die mehrere Megawattstunden speichern können. Der Ausbau von Speichern läuft sogar wesentlich schneller als erwartet.
Dunkelflauten stellen zwar eine Herausforderung für die Stromversorgung dar, sind aber kein unüberwindbares Hindernis für die Energiewende. Der Ausbau von Speichertechnologien, haushaltsnahe Flexibilität durch Wärmepumpen und Elektroautos sowie die Einbindung in den europäischen Strommarkt machen unser Energiesystem zunehmend flexibler und widerstandsfähiger. Gleichzeitig nimmt die Anzahl an Stromausfällen ab – die Netzstabilität bleibt also auch beim wachsenden Anteil erneuerbarer Energien gewährleistet.
Der konsequente Ausbau von erneuerbaren Energien und Stromspeichern macht außerdem nicht nur das Stromsystem widerstandsfähiger, sondern leistet auch einen entscheidenden Beitrag zur Klimaneutralität und zur Energiesicherheit: Die Weltlage vom Ukrainekrieg bis zu Konflikten im Nahen Osten zeigt uns immer wieder, dass fossile Energien immer auch Fremdbestimmung bedeuten. Die Energiewende ist deshalb nicht nur ein Klimaprojekt, sondern eine Frage der wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit. Je schneller wir sie gemeinsam umsetzen, desto robuster wird unser Energiesystem gegen externe Schocks.
Nein, die Warnungen vor einem Blackout sind unbegründet. Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten Stromnetzstabilität. Seit dem Jahr 2000 sind die Stromausfälle in Deutschland sogar rückläufig – bei gleichzeitigem Zuwachs erneuerbarer Energien. Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland einen der besten Plätze beim SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index) ein. Er misst die durchschnittliche Dauer von Versorgungsunterbrechungen und ist ein wichtiger Indikator für die Zuverlässigkeit von Strom- oder Gasnetzen.
Kurzfristig ja, aber nur für wenige Stunden. Die Strompreise an der Strombörse können in solchen Situationen kurzzeitig auf das Zehnfache des Durchschnitts steigen. Sobald der Wind wieder weht, die Sonne scheint oder sich der Verbrauch reduziert, sinkt allerdings auch wieder der Preis. Dass Strom in Dunkelflauten teurer wird, ist somit kein Preisproblem der Erneuerbaren. Im Gegenteil: Preistreiber sind Kohle und Gas. Die wichtigste Lösung für Dunkelflauten mit Preissteigerungen ist daher mehr echter Ökostrom – kombiniert mit einer darauf ausgelegten Netzinfrastruktur.
Umgekehrt gibt es im Sommer immer häufiger Phasen, in denen so viel Ökostrom produziert wird, sodass der Strompreis sogar negativ wird. 2024 waren es gut 450 Stunden mit Strompreisen unter null Euro, 2025 sogar 575. Über das Jahr gleichen sich diese Preisschwankungen mehr als aus. 2024 ging der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead-Börsenstrompreis über das ganze Jahr gerechnet um über 15 % zurück, wie das Fraunhofer-Institut ISE aufzeigt. Zudem sind die meisten Stromkund:innen und Unternehmen durch langfristige Stromverträge vor kurzfristigen Preissprüngen geschützt.
In Haushalten mit dynamischen Stromtarifen können die Strompreise dagegen schnell stark steigen. Die Strompreise sind aber nicht den ganzen Tag über so hoch, sondern nur in einzelnen Stunden. Wir bei Green Planet Energy informieren euch vorab über die erwartete Preisentwicklung, sodass hohe Stromverbräuche – wie das Laden eines Elektroautos – in Zeiten mit viel günstiger grüner Energie verlagert werden können.
Ja, wir brauchen einige wenige neue H2-ready-Gaskraftwerke (Erdgaskraftwerke, die Wasserstoff verarbeiten können), die dann mit klaren Fristvorgaben von fossilem Erdgas auf grünen Wasserstoff umgerüstet werden müssen. Großbatteriespeicher und andere Flexibilitätslösungen können einen wichtigen, kurzfristig mobilisierbaren Beitrag leisten und den Bedarf an zusätzlichen Gaskraftwerken begrenzen. Daher gilt: So viel Flexibilität wie möglich, so wenig Gaskraftwerke wie nötig.