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Kuckum im Rheinischen Revier: Gerettet – und jetzt?

Ende 2022 kam die Nachricht, auf die hier alle gewartet haben: Nordrhein-Westfalen hat entschieden, das Abbaggern des Tagebaus Garzweiler ab 2030 zu beenden. Kuckum kann bleiben.

Teil 3 unserer Blogreihe zum Thema „Solarstrom im Rheinischen Revier“

„Wie sich das anfühlt? Gemischt. Einerseits, ja: ‚Wir haben den Kampf gewonnen, den wir seit 2017 sehr intensiv geführt haben‘ – der hat uns viel Kraft und Zeit gekostet. Andererseits siehst du gleichzeitig: Nach der Rettung kommt direkt das nächste Thema. Das sorgt für sehr viel Frust“, konstatiert David Dresen. Mit dem nächsten Thema meint er die Wiederbelebung des kleinen Örtchens Kuckum und natürlich auch der Region. „Du siehst, wie die Häuser hier verfallen und gleichzeitig geflüchtete Menschen in Turnhallen schlafen, weil es keinen Wohnraum gibt. Da ist super viel Potenzial und ein Gefühl von Aufbruch – und gleichzeitig steht vieles einfach still.“

Seit der Umsiedlung 2016 stehen etwa 90 Prozent der Häuser in Kuckum leer. Es gibt viel Verfall, viel Vandalismus. Die Häuser sind inzwischen Eigentum von RWE. Und jetzt braucht es Regelungen, wie Bewohnende oder die Kommune die Gebäude zurückerhalten können. „Die Situation ist eigentumsrechtlich leider ziemlich kompliziert “, erklärt Dresen. „Man könnte direkt morgen loslegen, doch so weit sind die Verhandlungen zwischen RWE und der Kommune noch lange nicht. Das liegt auch daran, dass es keine klaren Vorgaben von der Landesregierung gibt, wer die Häuser in Zukunft verwalten soll.“

Ideen für eine kohlefreie und lebenswerte Zukunft

Ungefähr die Hälfte der etwa 150 Häuser ist praktisch sofort bezugsfertig. Bei etwa 20 bis 30 Prozent der Gebäude müsste etwas getan werden. Und dann gibt es welche, die sind schon arg verfallen. „Es schadet niemandem, wenn das jetzt schnell über die Bühne geht. Das hängt auch an der kommunalen Verwaltung – dabei würden die gar nichts verlieren. Wir gehen davon aus, dass es RWE ökonomisch nichts bringt, die Häuser zu halten. Daher sollte der Konzern ein Interesse daran haben, sie schnell zu vermarkten, bevor sie weiter verfallen.“

Die Dörfergemeinschaft hat längst ein Konzept entwickelt, wie es gehen könnte. Sie will damit eine Blaupause dafür schaffen, was gegen das Dörfersterben getan werden kann. Eine ihrer Ideen: Ein Seniorendorf – als Gegenentwurf zu einem Seniorenheim. Die Struktur im ebenfalls geretteten Nachbardorf Keyenberg bietet sich an: Es gibt viele Häuser aus den 70er Jahren, die eher klein und ebenerdig sind. Dort könnten ältere Menschen in eigenen Häusern leben und gleichzeitig von einer Betreuung im Quartier profitieren.

David Dresen auf seinem Hausdach
Sonne satt: Seit 2020 produziert David Dresen auf dem eigenen Dach sauberen Solarstrom / Foto (c) Andreas Fechner/Green Planet Energy

„Konkret stellen wir uns eine gemeinwohlorientierte Wiederbelebung vor. Es gibt dazu auch ein Konzept von Green Planet Energy. Da sind wir im Kontakt, wie wir zum Beispiel ein dorfübergreifendes Energiesystem in Bürgerhand aufbauen können.“ Beim Thema Solaranlage hat Dresen bereits mit Green Planet Energy kooperiert: Auf seinem Dach ist eine Solarstrom plus-Anlage installiert. „Die hatten wir schon, als die Dörfer noch nicht gerettet waren. Wir wollten ein Zeichen gegen den Kohletagebau setzen und zeigen, dass es auch anders geht. Unser Ziel ist es, unser Dorf autark zu machen und gemeinsam so viel Strom zu produzieren, wie Kuckum tatsächlich verbraucht. Mittlerweile sind es in den geretteten Dörfern schon zwölf Häuser  , die eine über Solarstrom plus geförderte Anlage auf dem Dach haben.“

Was Dresen sich für Kuckums Zukunft wünscht? „Am liebsten ein Genossenschaftsmodell für Photovoltaik-Anlagen auf allen leerstehenden Häusern. Das könnte auch realistisch werden. Mein Ziel: Die Stadt soll die Gewinnung von Sonnenstrom auf allen Häusern verpflichtend machen.“

Dies ist der dritte Teil unserer aktuellen Blog-Reihe zum Thema „Solarstrom im Rheinischen Revier“. Nächste Woche erscheint der vierte und letzte Teil. Die Beiträge in der Übersicht:

  1. Zurück in die Zukunft, zurück ins Rheinische Revier
  2. (K)eine Spinnerei: Solaranlage in der Lausitz
  3. Kuckum im Rheinischen Revier: Gerettet – und jetzt?
  4. Wenn Warten sich lohnt: Ein Pfarrhaus mit PV-Anlage im Rheinischen Revier

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