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EnergiewendeEnergiepolitikSichere Energie trotz Dunkelflaute: Lösungen für die Energiewende

Sichere Energie trotz Dunkelflaute: Lösungen für die Energiewende

Erneuerbare Energien liefern mittlerweile rund 60 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms. Windenergie und Photovoltaik ergänzen sich dabei im Jahresverlauf: Scheint weniger Sonne, dann weht oft mehr Wind – und umgekehrt. Moderne Windturbinen produzieren zudem auch bei schwachem Wind Strom, und Solarzellen werden immer effizienter. Zusätzlich sorgen Biomasse, Geothermie und Wasserkraft für verlässliche Energie bei jeder Wetterlage.  

Doch was passiert, wenn weder Wind weht noch die Sonne scheint? Wir schauen auf das Phänomen der Dunkelflaute und zeigen auf, wie unser Energiesystem auch in solchen Situationen zuverlässig funktioniert.

Was ist eine Dunkelflaute?

Eine Dunkelflaute bezeichnet Phasen, in denen weder Solar- noch Windenergie erzeugt wird. Typischerweise tritt sie an kalten, regnerischen Wintertagen auf, wenn sich die Sonne hinter einer dicken Wolkendecke versteckt und gleichzeitig Windflaute herrscht. Der Deutsche Wetterdienst hat 2018 analysiert, dass solche Situationen seltener vorkommen als oft angenommen: Nur zweimal im Jahr sinken Wind- und Solarproduktion im Durchschnitt gleichzeitig für mindestens 48 Stunden unter eine kritische Schwelle. Auch für diese Dunkelflauten-Dauer droht kein Blackout. Die Versorgungssicherheit wird streng überwacht. So hat die Bundesnetzagentur bestätigt, dass die Stromnachfrage in Deutschland bis 2031 zu 100 Prozent gedeckt werden kann – auch bei reduzierter Kohleverstromung. Unser Stromsystem ist somit bereits gut aufgestellt, um solchen Herausforderungen zu begegnen.

Schutz vor Dunkelflauten: Welche Lösungsansätze gibt es für eine sichere Energieversorgung?

1. Europäischer Strommarkt

Der europäische Binnenmarkt spielt eine zentrale Rolle bei der Absicherung gegen Versorgungsengpässe. Länder helfen sich gegenseitig aus, was die Versorgungssicherheit erhöht. So profitiert beispielsweise Frankreich im Sommer von günstigem deutschem Ökostrom. Wird hierzulande wenig Strom aus Windenergieanlagen oder Photovoltaik erzeugt, so kann Deutschland Strom aus dem Ausland importieren. Die Hälfte dieses importierten Stroms kam 2024 übrigens selbst aus erneuerbaren Energiequellen, zum Beispiel aus Dänemark.

2. Flexible Back-up-Lösungen

Derzeit dienen noch Kohle- und Erdgaskraftwerke als Back-up für Dunkelflauten. Nach dem Kohleausstieg sollen Gaskraftwerke diese Aufgabe übernehmen und in den 2030er Jahren auf grünen Wasserstoff umgestellt werden.

Künftig sorgen sogenannte „Flexibilitätsoptionen“ für einen besseren Ausgleich zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch. Dabei handelt es sich Technologien und Maßnahmen, die es ermöglichen, die Stromerzeugung oder den Strombedarf gezielt anzupassen, um Schwankungen im Stromsystem auszugleichen. Sie umfassen verschiedene Möglichkeiten, wie:

  • Lastmanagement: Anpassung des Stromverbrauchs in Industrie und Haushalten
  • Steuerbare Erzeugungsanlagen: flexible Kraftwerke, die ihre Produktion anpassen können
  • Sektorenkopplung: Strom wird künftig auch für die Wärmeerzeugung mittels Heizstäben und Wärmepumpen genutzt, ebenso wie für das Laden von Elektroautos. Dies schafft zusätzliche Flexibilität und Speichermöglichkeiten im System.
  • Demand-Side-Management: gezielte Steuerung von Verbrauchern

3. Speichertechnologien gegen kalte Dunkelflauten

Auch Speichertechnologien können dabei helfen, Dunkelflauten zu überbrücken. Der Ausbau von Speichern läuft sogar wesentlich schneller als erwartet:

  • Batteriespeicher: Große Batteriespeicher sind die am schnellsten wachsende Energietechnologie. Die Netzbetreiber melden derzeit einen regelrechten Boom bei den Anträgen für Großspeicher. Die Anträge übersteigen die aktuell installierte Speicherleistung um mehr als das Hundertfache. Kein Wunder, denn die Kosten sind im letzten Jahr erheblich gesunken, und alle großen Hersteller signalisieren eine Fortsetzung dieses Trends.
  • Power-to-Gas: Diese Technologie ermöglicht die saisonale Speicherung von erneuerbarer Energie. Dabei wird Solar- und Windstrom in grünen Wasserstoff umgewandelt, um damit Gasspeicher zu füllen. Bei Bedarf kann daraus wieder Strom erzeugt werden. Mit Power-to-Gas kann Energie für mehrere Monate oder sogar bis zu einem Jahr gespeichert werden, was diese Technologie besonders wertvoll für die langfristige Energiespeicherung macht.
  • E-Autos als mobile Speicher: Die wachsende Zahl an Elektroautos birgt perspektivisch ein enormes Potenzial, um erneuerbare Energien dezentral zu speichern. Durch bidirektionales Laden kann der zwischengespeicherte Strom zukünftig flexibel in das Gebäude oder ins Netz zurückfließen.

Fazit: Kein Wind, keine Sonne – kein Problem

Dunkelflauten stellen zwar eine Herausforderung für die Stromversorgung dar, sind aber kein unüberwindbares Hindernis für die Energiewende. Der Ausbau von Speichertechnologien, haushaltsnahe Flexibilität durch Wärmepumpen und Elektroautos sowie die Einbindung in den europäischen Strommarkt machen unser Energiesystem zunehmend flexibler und widerstandsfähiger. Gleichzeitig nimmt die Anzahl an Stromausfällen ab – die Netzstabilität bleibt also auch beim wachsenden Anteil erneuerbarer Energien gewährleistet.

Übrigens: Der konsequente Ausbau von erneuerbaren Energien und nachhaltigen Speicherlösungen macht nicht nur das Stromsystem widerstandsfähiger, sondern leistet auch einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Dunkelflauten

Kann es durch eine Dunkelflaute einen Blackout geben?

Nein, die Warnungen vor einem Blackout sind unbegründet. Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten Stromnetzstabilität. Seit dem Jahr 2000 sind die Stromausfälle in Deutschland sogar rückläufig – bei gleichzeitigem Zuwachs erneuerbarer Energien. Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland einen der besten Plätze beim SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index) ein. Er misst die durchschnittliche Dauer von Versorgungsunterbrechungen und ist ein wichtiger Indikator für die Zuverlässigkeit von Strom- oder Gasnetzen.

Wie lange können Dunkelflauten dauern?

Nach Daten der Bundesnetzagentur können Dunkelflauten zwischen 5 und 8 Tagen andauern. Die Strompreise steigen dabei oft nur für wenige Stunden pro Tag stark an. Besonders am frühen Abend sind Preisspitzen zu beobachten, wenn eine hohe Stromnachfrage auf ein abnehmendes Angebot aus Erneuerbaren Energien trifft. Sobald jedoch die Erzeugung aus Erneuerbaren Energien wieder zunimmt, sinken die Strompreise in der Regel schnell wieder ab.

Steigen die Strompreise durch Dunkelflauten?

Kurzfristig ja, aber nur für wenige Stunden. Die Strompreise an der Strombörse können in solchen Situationen kurzzeitig auf das Zehnfache des Durchschnitts steigen. Sobald der Wind wieder weht, die Sonne scheint oder sich der Verbrauch reduziert, sinkt allerdings auch wieder der Preis. Dass Strom in Dunkelflauten teurer wird, ist somit kein Preisproblem der Erneuerbaren. Im Gegenteil: Preistreiber sind Kohle und Gas. Die wichtigste Lösung für Dunkelflauten mit Preissteigerungen ist daher mehr echter Ökostrom – kombiniert mit einer darauf ausgelegten Netzinfrastruktur.

Umgekehrt gibt es im Sommer immer häufiger Phasen, in denen so viel Ökostrom produziert wird, sodass der Strompreis sogar negativ wird. 2024 waren es gut 450 Stunden mit Strompreisen unter null Euro. Über das Jahr gleichen sich diese Preisschwankungen mehr als aus. 2024 ging der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead-Börsenstrompreis über das ganze Jahr gerechnet um über 15 Prozent zurück, wie das Fraunhofer-Institut ISE aufzeigt. Zudem sind die meisten Stromkund:innen und Unternehmen durch langfristige Stromverträge vor kurzfristigen Preissprüngen geschützt.

In Haushalten mit dynamischen Stromtarifen können die Strompreise dagegen schnell stark steigen. Die Strompreise sind aber nicht den ganzen Tag über so hoch, sondern nur in einzelnen Stunden. Wir bei Green Planet Energy informieren euch vorab über die erwartete Preisentwicklung, sodass hohe Stromverbräuche – wie das Laden eines Elektroautos – in Zeiten mit viel günstiger grüner Energie verlagert werden können.

Brauchen wir mehr Gaskraftwerke als Back-up für Dunkelflauten?

Ja, wir brauchen einige wenige neue H2-ready-Gaskraftwerke (Erdgaskraftwerke, die Wasserstoff verarbeiten können), die dann mit klaren Fristvorgaben von fossilem Erdgas auf grünen Wasserstoff umgerüstet werden müssen. Großbatteriespeicher und andere Flexibilitätslösungen können einen wichtigen, kurzfristig mobilisierbaren Beitrag leisten und den Bedarf an zusätzlichen Gaskraftwerken begrenzen. Daher gilt: So viel Flexibilität wie möglich, so wenig Gaskraftwerke wie nötig.

Alexander Karasek
Alexander Karasek
Alexander Karasek ist seit April 2024 Pressesprecher bei Green Planet Energy im Berliner Büro. Davor leitete er unter anderem mehrere Jahre die Kommunikation des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE) und war als Pressesprecher des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) tätig.