Zahlreiche Plakate und Schilder der Erneuerbaren Energien und eine Menschenmenge vor dem Reichstag.

Energiewende statt fossile Abhängigkeit: Warum Wind und Sonne Deutschland unabhängiger machen

Donald Trump und Wladimir Putin haben gerade gut lachen: Deutschland hat seine fossile Abhängigkeit nicht beendet, sondern verlagert – und kauft immer noch riesige Mengen Öl und Gas. Und während andere daran verdienen, plant die Bundesregierung Gesetze, die Investitionen in neue Windräder und Solaranlagen gefährden.

Deshalb sind wir am 9. Oktober 2026 auf die Straße gegangen – gemeinsam mit dem Bündnis Erneuerbare Energien und über 8.000 Menschen aus allen Bereichen der Erneuerbaren: Energiegenossenschaften, Umweltverbände, PV-Installationsbetriebe, Landwirte mit Biogasanlagen, kommunale Energieversorger, Gewerkschaften, Bürgermeister und viele mehr. Unter dem Motto "Ausbauen statt Ausbremsen!" und stellvertretend für über 430.000 Arbeitsplätze in der Energiezukunft: Denn bei EEG-Novelle und Netzpaket, die gerade im Bundestag beraten werden, geht es um weit mehr als einzelne Paragrafen. Es geht um die Richtung, die Deutschland in den kommenden Jahren einschlägt: mehr Unabhängigkeit durch heimische Energie oder eine Verlängerung unserer Abhängigkeit von Öl und Gas.

Inhalt

Wer profitiert, wenn Deutschland die Energiewende bremst?

Eins ist klar: Donald Trump und Wladimir Putin sind keine Fans der Energiewende. Warum auch? Russland verdient Milliarden mit Öl und Gas. Rund zwölf Prozent der europäischen Gasimporte stammen immer noch aus Russland, allen Sanktionen zum Trotz. Erst Ende 2027 soll damit endgültig Schluss sein. Gleichzeitig entsteht eine neue Abhängigkeit: 96 Prozent des Flüssigerdgases, das 2025 über deutsche LNG-Terminals kam, stammte aus den USA. Jedes weitere Windrad, jeder Solarpanel und jede ökologische Biogasanlage verringert unsere Abhängigkeit von Autokratien und politischen Krisen.

Die eigentliche Frage lautet also: Wer profitiert davon, wenn Europa weiter Öl und Gas kauft und gleichzeitig beim Ausbau der Erneuerbaren bremst? Genau darauf gibt unsere Aktion auf der Energiewende-Demo eine eindeutige Antwort: Die Falschen.

Eine Videoinstallation mit einem grinsenden Wladimir Putin vor dem Reichstag und der Aufschrift: Damit sich nicht die Falschen freuen. Green Planet Energy.

Bild: Green Planet Energy

Die beste Unabhängigkeitserklärung: mehr Wind und Sonne

Die beste Antwort auf teure Importe, Energiekrisen und neue Abhängigkeiten sieht man längst auf den Feldern und Dächern: Eine Windenergieanlage muss nach dem Bau nicht zwanzig Jahre lang mit importiertem Gas versorgt werden. Eine Solaranlage braucht kein Öl, das durch die Straße von Hormus transportiert oder auf dem Weltmarkt eingekauft wird.

Natürlich braucht auch die Energiewende Rohstoffe, Netze und internationale Lieferketten. Jede neue Anlage erzeugt jedoch über viele Jahre günstige Energie, ohne dass Deutschland ständig neues Öl oder Gas kaufen muss.

Das macht uns unabhängiger und hält mehr Geld im Land. Kommunen erzielen Einnahmen, örtliche Betriebe bekommen Aufträge, Menschen können sich über Genossenschaften beteiligen. Neue Wind- und Solarparks schaffen Arbeit in Planung, Bau, Wartung und Betrieb. Schon heute arbeiten rund 436.000 Menschen in Deutschland im Erneuerbaren-Sektor, Bis 2035 könnte die Zahl laut Bertelsmann-Stiftung auf mehr als 700.000 steigen – aber wenn die Politik den Erneuerbaren weiter Steine in den Weg legt, sind hunderttausende Arbeitsplätze gefährdet.

Was plant die Bundesregierung in der Energiepolitik 2026?

Ausgerechnet in dieser Lage plant die Bundesregierung zusätzliche Hürden für Wind- und Solarprojekte. Drei Punkte sind besonders problematisch:

  • Redispatch-Vorbehalt: Neue Wind- und Solarparks sollen künftig die Rechnung für den schleppenden Netzausbau bezahlen. Die Folge: weniger Investitionen, weniger neue Anlagen und weniger Arbeitsplätze. Eine Analyse der Bertelsmann Stiftung warnt, dass der Kurswechsel der Bundesregierung bis 2035 rund 186.000 potenzielle zusätzliche Arbeitsplätze in der Erneuerbaren-Branche kosten könnte.
  • Dach-Solaranlagen: Die feste Einspeisevergütung für kleine Photovoltaik-Anlagen soll auslaufen, obwohl es für sie bislang keinen einfachen und massentauglichen Vermarktungsweg gibt. Das gefährdet private PV-Projekte, kleine Gewerbeanlagen und Mieterstrommodelle.
  • Mehr Unsicherheit, weniger Investitionen: Mehrere neue Belastungen greifen gleichzeitig. Das verschlechtert die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte und macht die Finanzierung schwieriger. Banken und Investoren warnen bereits vor ausbleibenden Investitionen, verschobenen Projekten und einem langsameren Ausbau der Erneuerbaren.

Dabei braucht Deutschland das Gegenteil: schnellere Netze, mehr Speicher und mehr Möglichkeiten, erneuerbaren Strom vor Ort zu nutzen. Neue Hürden für Wind- und Solarprojekte beseitigen dagegen keinen einzigen Netzengpass.

Der Bundestag darf Deutschland nicht zurück in fossile Abhängigkeiten schicken

EEG-Novelle und Netzpaket werden aktuell im Bundestag beraten. Die Abgeordneten können diese Gesetze noch korrigieren und damit verhindern, dass der langsame Netzausbau zum Risiko für neue Wind- und Solarparks wird.

Deutschland steht vor einer einfachen Entscheidung: Wollen wir weiterhin jedes Jahr Milliarden für Öl und Gas ausgeben? Oder investieren wir das Geld in eine Energieversorgung, die zunehmend hier entsteht, Kommunen stärkt, Arbeitsplätze schafft und uns unabhängig von fossilen Preisschocks macht? Genau deshalb gingen am 9. Oktober tausende Menschen in Berlin auf die Straße. Und genau deshalb zeigten wir vor dem Bundestag Trump und Putin: Damit sich nicht die Falschen freuen.

Zahlreiche Demonstrierende mit Schildern aus den Erneuerbaren Energien, zentral im Hintergrund der Reichstag. Davor das Demo-Schild mit der Aufschrift "Wind & Sonne sind bereit. Die Politik auch?" von Green Planet Energy.

Bild: Green Planet Energy

Schon gewusst? Drei Fakten zu Deutschlands fossiler Abhängigkeit

  1. Wir importieren fast unser gesamtes Öl und GasOhne Importe läuft bei Öl und Gas in Deutschland nichts: 98 Prozent des Erdöls und 95 Prozent des Erdgases kommen aus dem Ausland. Damit entscheiden internationale Märkte, Lieferländer und Konflikte maßgeblich über unserer Energiepreise. Ein Konflikt an der Straße von Hormus reicht aus, damit bei uns die Sorge vor steigenden Preisen fürs Heizen und Tanken zurückkehrt.
  2. Fossile Importe kosten uns im Schnitt 81 Milliarden Euro pro JahrSeit 2008 gab Deutschland jedes Jahr durchschnittlich rund 81 Milliarden Euro für fossile Importe aus. Dieses Geld landet nicht bei Windparks, Kommunen oder Handwerksbetrieben vor Ort, sondern bei Öl- und Gasexporteuren rund um den Globus, darunter auch autoritäre Regime.
  3. In Krisen wird die Abhängigkeit besonders teuer
    Nach dem vollen russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 stiegen die deutschen Ausgaben für fossile Importe zeitweise auf fast 146 Milliarden Euro. Die Spannungen rund um die Straße von Hormus zeigen gerade wieder, wie schnell sich Deutschland mit Öl- und Gasimporten erpressbar macht.

Fazit: Unabhängigkeit wächst nicht aus Öl und Gas

Deutschland hat die Wahl: Wollen wir weiterhin Milliarden für importiertes Öl und Gas ausgeben und uns von autoritären Regimen, Weltmarktpreisen und fossilen Krisen abhängig machen? Oder investieren wir in Wind- und Solarenergie, die hier vor Ort Wertschöpfung schafft, Kommunen stärkt und uns Schritt für Schritt unabhängiger macht? Wer den Ausbau der Erneuerbaren bremst, verzögert nicht nur den Klimaschutz, sondern gefährdet auch günstige Energie, gute Arbeitsplätze und unsere wirtschaftliche Zukunft. Die Energiewende ist deshalb weit mehr als ein Klimaprojekt. Sie ist Deutschlands beste Unabhängigkeitserklärung.

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