Braunkohletagebau im Vordergrund. Schwere Maschinen bewegen Erde. Im Hintergrund rauchende Industrieschornsteine vor bewaldetem Horizont. Wolken ziehen am Himmel entlang.

Kohle, Gas & Illusionen – das kostet die Energiepolitik der AfD wirklich

Vorab ein notwendiger Disclaimer: Die AfD ist keine Partei wie andere, die nur „schräge Vorstellungen von Klimapolitik“ hat, sondern eine in Teilen gesichert rechtsextreme, antidemokratische und rassistische Kraft, die unsere Verfassung angreift, Menschen ausgrenzt und diskriminiert. Sie verbreitet systematisch Fake News, schürt Hass und stellt sich gegen die Grundwerte unserer offenen Gesellschaft. Als Energiegenossenschaft lehnen wir die AfD daher entschieden ab. Mit diesem Blog wollen wir vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September klar Stellung beziehen und aufzeigen, welche Folgen die energiepolitischen Pläne der AfD hätten, um euch für die nächste Diskussion mit Argumenten zu wappnen.

„Das war ein ganz normaler Sommer“ – mit diesem Satz relativierte AfD-Chef Tino Chrupalla im August 2026 einen der heißesten, trockensten Sommer der deutschen Geschichte: mit 14.000 Hitzetoten, Waldbränden, Ernteausfällen und volkswirtschaftlichen Schäden von mindestens 36 Milliarden Euro.  

Die Botschaft hinter Chrupallas Satz ist klar: Es gibt kein Problem, also ist auch kein Klimaschutz nötig. Genau diese Verdrängungsstrategie prägt die Energiepolitik der AfD, und sie ist damit erschreckend erfolgreich. In Sachsen-Anhalt droht bei der Landtagswahl am 6. September sogar erstmals die absolute Mehrheit. Zu den Kernthemen im Wahlkampf zählen Energiewende und Klimapolitik. Wir haben uns das Wahlprogramm daher genauer angeschaut.

Inhalt

Das AfD-Energieprogramm: Zurück in die Abhängigkeit

Die AfD fordert eine „energiepolitische Kehrtwende um 180 Grad“: die Abschaffung des EEG, ein Moratorium für den Windkraftausbau, das Ende der Solarförderung auf Freiflächen, den Weiterbetrieb und Neubau von Kohlekraftwerken sowie den Wiedereinstieg in die Atomkraft. Allerdings könnte die Partei selbst mit einer absoluten Mehrheit in einem Bundesland die meisten dieser Vorschläge gar nicht umsetzen, weil sie weder finanzierbar sind noch in die Zuständigkeit eines Bundeslandes fallen.

Energiewende: Die AfD-Forderungen im Realitätscheck

Forderung

Realität

Windkraft-MoratoriumEin Bundesland kann den Ausbau der Windenergie nicht verhindern, aber Genehmigungen verzögern und Flächen blockieren.
Kohleausstieg stoppenDer Kohleausstieg ist Bundesgesetz – ein Land kann den Ausstieg nicht aufhalten.
Atomkraft zurückStillgelegte Reaktoren werden längst rückgebaut, ein Neubau wäre immens teuer, langsam und wirtschaftlich unsicher. Darum wollen selbst die ehemaligen Betreiber keine Atomkraftwerke bauen. 
Nordstream wieder in Betrieb nehmenEU-Sanktionen gegen Russland sind EU-Recht – ein (Bundes)Land kann sie nicht einseitig aufheben.

Fazit: Die Politikwissenschaftlerin Prof. Petra Dobner von der Uni Halle betont: "Die AfD wird viel kaputt machen können, aber wenn es darum geht, Neues aufzubauen, stößt sie an ihre Grenzen."

Vieles kann die AfD also gar nicht auf Landesebene angehen. Aber angenommen, die AfD könnte ihre Forderungen doch umsetzen, was würde passieren? Spoiler: Die Vorschläge würden Energie verteuern, Investitionen bremsen und damit Unternehmen, Kommunen und letztlich den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen.

Hohe Energiepreise: Warum die AfD Strom teurer machen würde

Strom aus Wind- und Solaranlagen ist in Deutschland deutlich günstiger als Strom aus Kohle, Erdgas oder Atom. Das Fraunhofer ISE zeigt in seiner Studie von 2024: Strom aus neuen Wind- und Solaranlagen kostet zwischen 3,2 und 8,0 Cent pro kWh. Neue Kohle- oder Gaskraftwerke liegen bei 8,5 bis 16 Cent.

Stromgestehungskosten für Erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke an Standorten in Deutschland im Jahr 2024. Spezifische Stromgestehungskosten sind mit einem minimalen und einem maximalen Wert je Technologie berücksichtigt.

Stromgestehungskosten für Erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke an Standorten in Deutschland im Jahr 2024. Quelle: Fraunhofer ISE

Noch deutlicher wird es beim Börsenstrompreis. Eine Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft zeigt: Ohne die Stromproduktion der deutschen Windräder an Land hätte der durchschnittliche Börsenstrompreis 2024 nach dieser Abschätzung bei 11,8 statt 7,9 Cent je Kilowattstunde gelegen. Das sind knapp 50 Prozent mehr. Ein Moratorium würde diesen Effekt nicht über Nacht vollständig umkehren. Es würde aber verhindern, dass mehr günstiger Windstrom teurere Kraftwerke aus dem Markt drängt. Fazit: Wer Erneuerbare durch mehr fossile Energie ersetzt, erhöht den Strompreis.

Wer profitiert: Wo bleibt die Wertschöpfung?

Deutschland importiert 99 Prozent seines Mineralöls und 94 Prozent seines Erdgases. Zum Vergleich: Bei Strom lag der Importanteil 2024 nur bei rund fünf Prozent. Die beiden Energiekrisen der letzten Jahre waren Ergebnis fossiler Abhängigkeit.  

Die AfD will genau diese Abhängigkeit verlängern: mehr Gas, mehr Kohle, mehr Atom – das beruht alles auf Brennstoffen, die importiert und bezahlt werden müssen und geopolitisch riskant sind. Wind und Sonne hingegen sind heimische Energiequellen, kostenlos und preisstabil. Anders als bei Gas, Kohle oder Uran fällt keine laufende Rechnung für den „Brennstoff“ an. 

Apropos „heimisch“: Wind- und Solarparks liefern nicht nur Strom, sondern auch Geld für die Region. Pachteinnahmen, Gewerbesteuern, Aufträge für Handwerksbetriebe und die gesetzlich vorgesehene Beteiligung von Kommunen sorgen dafür, dass ein Teil der Wertschöpfung direkt vor Ort bleibt. Während bei Kohle, Gas oder Uran jedes Jahr Milliarden für Brennstoffe ins Ausland fließen, finanzieren erneuerbare Energien Kindergärten, Feuerwehrhäuser, Sportplätze oder die Sanierung kommunaler Infrastruktur. Wer Wind- und Solarenergie ausbremst, gefährdet deshalb nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die wirtschaftliche Perspektive vieler Gemeinden.

Was die Energiepolitik der AfD kosten würde 

  • Verzögerte Genehmigungen
    → weniger Wind- und Solarparks → weniger günstiger Strom → höhere Strompreise. 

  • Investitionsstopp
    → Aufträge, Pachten, kommunale Einnahmen entfallen. 

  • Fachkräfte-Exodus
    → Unternehmen und Fachkräfte meiden Standorte mit AfD-Regierung.  

  • Klimafolgekosten
    → Hitze, Dürre, Ernteausfälle: mindestens 36 Milliarden Euro allein im Sommer 2026. 

Zusammenfassung & Fazit

Die AfD verspricht günstige Energie, doch ihr Wahlprogramm ist eine Mischung aus Populismus, wirtschaftlicher Selbstschädigung und realitätsferner Nostalgie. Statt Unabhängigkeit durch heimische Erneuerbare zu stärken, will die Partei zurück zu Kohle, Gas und Atomkraft und würde Deutschland damit abhängiger von Importen, Preisschocks und geopolitischen Krisen machen. 

Hinzu kommt, dass die AfD keine der Fragen beantwortet, mit denen sich Menschen und Kommunen heute ganz konkret befassen müssen: Wie schützen Städte ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke vor längeren Hitzeperioden? Wie sollen Landwirt:innen mit häufigeren Dürren und Ernteausfällen umgehen? Wie lassen sich Wälder stabilisieren, die unter Trockenstress, Schädlingen und Bränden leiden? Wie bleibt die Wirtschaft stark, wenn Flüsse häufiger Niedrigwasser führen und Transporte ausfallen? Und wie soll Energie bezahlbar bleiben, wenn Deutschland erneut stärker auf Brennstoffe setzt, deren Preise von internationalen Krisen abhängen?  

Die Energiewende ist nicht perfekt und nicht kostenlos, aber sie ist die einzige Strategie, die Deutschland unabhängiger, klimasicherer und wirtschaftlich stärker macht. Für uns als Genossenschaft ist klar: Die Zukunft gehört Klimaschutz, Unabhängigkeit und einer starken Demokratie. Nicht ihren Gegner:innen.

Drei Tipps gegen Populismus: Was hilft im Gespräch?

  1. Nicht die Behauptung angreifen, sondern die Frage dahinter stellen. 
    Wenn jemand sagt: „Windräder sind doch viel zu teuer“, musst du nicht sofort mit zehn Studien antworten. Frag lieber: „Teuer im Vergleich wozu?“ Oder: „Was wäre denn deine Alternative?“ So wird aus einer einfachen Behauptung plötzlich eine konkrete Frage. Und genau da wird es interessant: Was kostet Gas? Wer verdient daran? Woher kommt es? Und wer trägt das Risiko? 
  2. Aus „Die AfD will …“ ein „Was würde das für dich bedeuten?“ machen. 
    Populismus arbeitet gern mit großen Versprechen: billige Energie, mehr Unabhängigkeit, Schluss mit „Ideologie“. Übersetze diese Versprechen in konkrete Folgen. „Wenn weniger Wind- und Solarenergie gebaut wird: Woher kommt der Strom dann?“ Oder: „Wenn wir mehr Gas brauchen: Von wem kaufen wir es und was passiert mit unseren Kosten, wenn die nächste Krise eine Gasroute trifft?“ Aus einer Parole wird eine Sachfrage. Und plötzlich muss die Politik dahinter erklärt werden. 
  3. Nicht gewinnen wollen, sondern einen Gedanken dalassen. 
    Du musst dein Gegenüber nicht in fünf Minuten umstimmen. Oft reicht eine gute Frage, die später weiterarbeitet. Zum Beispiel: „Wenn wir unabhängiger werden wollen, warum sollten wir dann mehr Öl und Gas importieren?“ Oder: „Warum sollten wir ausgerechnet bei der Energie auf das setzen, was wir nicht selbst produzieren können?“ Das Ziel ist nicht der perfekte Konter, sondern ein Zweifel an der vermeintlich einfachen Lösung. 
Schlagworte
Beitrag teilen:

Ähnliche Artikel