Innovatives Pionierprojekt für grünen Wasserstoff erhält 4,25 Millionen Euro Förderung
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und das Land Schleswig-Holstein fördern den Ausbau des dezentralen Wasserstoffprojekts Windgas Haurup. Das innovative Pionierprojekt der Energie des Nordens zeigt, wie flexible Elektrolyse überschüssigen Windstrom bei Netzengpässen aufnehmen und für andere Sektoren nutzbar machen kann.

Ellhöft/Handewitt, 10. September 2026. Die Energie des Nordens GmbH & Co. KG erhält rund 4,25 Millionen Euro Förderung für den Ausbau des Wasserstoffprojekts Windgas Haurup. Staatssekretär Joschka Knuth übergab den Zuwendungsbescheid am heutigen Donnerstag in Ellhöft an die Geschäftsführer Reinhard Christiansen und Sönke Tangermann. Die Energie des Nordens wurde 2011 in Ellhöft gegründet und vereint heute mehr als 70 Gesellschafter aus Norddeutschland, unter anderem aus den Branchen Wind- und Solarenergie, Biogas sowie Handwerk. Hauptanteilseignerin ist die Energiegenossenschaft Green Planet Energy eG mit 51 Prozent, deren Co-Vorstand Sönke Tangermann ist.
Windgas Haurup setzt an einer zentralen Herausforderung der Energiewende an: Wenn in Schleswig-Holstein viel Windstrom erzeugt wird, können Netzengpässe dazu führen, dass Windenergieanlagen abgeregelt werden müssen. Ein flexibel betriebener Elektrolyseur kann Strom in solchen Situationen aufnehmen und in grünen Wasserstoff umwandeln. Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein eines erneuerbaren Energiesystems: Er kann überschüssigen erneuerbaren Strom langfristig speichern und dort als Energieträger eingesetzt werden, wo eine direkte Elektrifizierung nicht möglich ist, beispielsweise bei bestimmten industriellen Prozessen. Darüber hinaus kann der gespeicherte Wasserstoff bei Bedarf wieder zur Stromerzeugung genutzt werden, etwa während längerer Phasen, in denen nicht ausreichend Wind- und Solarenergie zur Verfügung steht.
Bereits das dezentrale Wasserstoffprojekt Windgas Haurup I hat gezeigt, wie regionaler Windstrom lokal in Wasserstoff umgewandelt werden kann. Mit der Projekterweiterung Windgas Haurup II soll die Elektrolyseleistung am Standort Haurup in Handewitt nun schrittweise auf bis zu vier Megawatt wachsen. In der ersten Ausbaustufe sind zwei Megawatt mit einer Produktion von rund 150 Tonnen grünem Wasserstoff pro Jahr vorgesehen. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 geplant.
Zunächst wird der Wasserstoff dem bestehenden Gasnetz beigemischt und im Gasprodukt von Green Planet Energy bundesweit vermarktet, das ab 2027 zu 100 Prozent erneuerbar ist. Langfristig ist für Haurup II zusätzlich eine Anbindung an die Wasserstoffinfrastruktur angestrebt, um neue Absatzmöglichkeiten bei Industrie und Gewerbe zu eröffnen, denn neben der Rückverstromung während Zeiten mit wenig Wind und Sonne entfaltet Wasserstoff hier seinen größten Nutzen im Rahmen der Energiewende. Für den weiteren Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft braucht es neben neuen Elektrolyseuren daher vor allem einen zügigen Ausbau der Wasserstoffnetze, damit grüner Wasserstoff künftig in größerem Maßstab zu Industrie und anderen Abnehmern transportiert werden kann. Damit diese Infrastruktur ihr Potenzial entfalten kann, braucht es zugleich einen Markt, der Erzeuger und unterschiedliche Abnehmer effizient zusammenbringt.
Sönke Tangermann, Vorstand von Green Planet Energy und Geschäftsführer der Energie des Nordens, sagt: „Netzengpässe dürfen nicht dazu führen, dass immer mehr erneuerbarer Strom abgeregelt statt sinnvoll genutzt wird. Deshalb lehnen wir den von der Bundesregierung geplanten Redispatch-Vorbehalt ab, der es ermöglicht erneuerbare Anlagen entschädigungslos abzuregeln. Statt Windstrom ungenutzt zu lassen, müssen wir ihn flexibel einsetzen und speichern. Dezentrale Elektrolyseure, wie in Haurup geplant, sind dafür ein zentraler Baustein. Die Förderung des Landes Schleswig-Holstein bringt unseren Ansatz jetzt in die nächste Größenordnung.“
Reinhard Christiansen, Geschäftsführer der Energie des Nordens, ergänzt: „Mit Windgas Haurup haben wir früh Pionierarbeit geleistet und gezeigt, dass grüner Wasserstoff dezentral dort erzeugt werden kann, wo viel erneuerbare Energie zur Verfügung steht. Mit Haurup II entwickeln wir diesen Ansatz konsequent weiter. Entscheidend ist jetzt, dass neben den Projekten auch die notwendige Strom- und Wasserstoffinfrastruktur wächst, damit grüner Wasserstoff künftig in größerem Maßstab genutzt werden kann.“