Zwei Windräder stehen über einem goldenen Getreidefeld.

Seit mittlerweile zwei Jahren soll das Instrument „Nutzen statt Abregeln“ dafür sorgen, dass Ökostrom nicht verloren geht, sondern sinnvoll genutzt wird, etwa in Speichern, Wärmepumpen, Elektroautos oder zur Herstellung von grünem Wasserstoff. Eine Analyse von Green Planet Energy zeigt jedoch: Das vorhandene Potenzial bleibt bislang nahezu ungenutzt.

Zwischen Oktober 2024 und September 2026 hätten rund 8,2 Terawattstunden Erneuerbarer Strom genutzt statt abgeregelt werden können. Tatsächlich genutzt wurden jedoch nur 3,35 Gigawattstunden. Mehr als 99,9 Prozent des Potenzials blieben ungenutzt.

Nach Berechnungen von Green Planet Energy hätten allein in diesem Zeitraum theoretisch mehr als 770 Millionen Euro an Redispatchkosten zur Stabilisierung überlasteter Stromnetze eingespart werden können, wenn die Hälfte der ausgewiesenen Strommengen tatsächlich genutzt worden wäre.

„Jedes Jahr werden große Mengen erneuerbaren Stroms unnötig abgeregelt, obwohl eine wachsende Zahl an Speichern, Elektrolyseuren, Wärmepumpen oder Elektroautos ihn nutzen könnte“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Green Planet Energy. „Dabei scheitert das Instrument nicht an zu wenig flexiblen Stromabnehmern, sondern an zu strengen Teilnahmebedingungen, dem Ausschluss vieler bestehender Anlagen sowie an zu bürokratischen Nachweis- und Genehmigungsverfahren.“

Bundesregierung, Bundesnetzagentur und Übertragungsnetzbetreiber sollten die Regeln daher so anpassen, dass flexible Verbraucher und Speicher leichter teilnehmen können, bestehende Anlagen einbezogen werden und Nachweis- sowie Messpflichten vereinfacht werden.

Zum 1. Oktober 2026 ist zwar ein neues wettbewerbliches Zielmodell für „Nutzen statt Abregeln 2.0“ gestartet. Ob dadurch künftig tatsächlich deutlich mehr Strom genutzt wird, bleibt jedoch fraglich. Aus Sicht von Green Planet Energy lösen auch die neuen Regelungen die zentralen Probleme nicht: Viele potenzielle Teilnehmer bleiben ausgeschlossen und die bürokratischen Anforderungen hoch.

„Statt den Ausbau von Wind- und Solarenergie auszubremsen, sollte die Bundesregierung endlich die Instrumente stärken, die Netzengpässe tatsächlich verringern und mehr Ökostrom nutzbar machen. Mit dem Redispatchvorbehalt löst die Bundesregierung dagegen kein einziges Netzproblem“, so Tangermann. Wirksame Lösungen dafür liegen längst auf dem Tisch: Netzausbau, smarte Netze, regionale Baukostenzuschüsse, systemdienliche Anschlüsse und nicht zuletzt eine Reform von „Nutzen statt Abregeln“.

Kernaussagen der Analyse

  • Zwischen dem 1. Oktober 2024 und dem 30. September 2026 wurden 8,2 TWh potenziell nutzbarer Strom ausgewiesen, aber nur 0,4 Promille tatsächlich genutzt.
  • Das Potenzial für die Nutzung ansonsten abgeregelten Ökostroms ist groß.
  • Zu strenge Vorgaben und hohe bürokratische Hürden verhindern bislang eine breite Nutzung.
  • Speicher, Elektrolyseure, Wärmepumpen und andere flexible Verbraucher sollten leichter teilnehmen können.
  • Eine Reform von “Nutzen statt abregeln” (§ 13k EnWG) kann Redispatchkosten senken und theoretische Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe ermöglichen, ohne neue Risiken für Wind- und Solarprojekte zu schaffen.


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