Mit kaum einer Technologie für die Wärmeerzeugung in Haushalten, im Gewerbe und in der Industrie verbinden sich mit Blick auf die Klimakrise so hohe Erwartungen wie mit Wärmepumpen: Sie lassen sich mit Ökostrom betreiben, sind höchst effizient und vielseitig einsetzbar. Allerdings glauben viele Interessierte, Wärmepumpen seien vor allem für Neubauten geeignet. Tatsächlich sind Wärmepumpen im Hausbestand aber schon heute häufig die beste Wahl: für wohlige Wärme in den eigenen vier Wänden, für den Klimaschutz – und nicht zuletzt auch für den eigenen Geldbeutel.

Was Wärmepumpen im Bestand leisten können, zeigen wir in der neuen Blogserie von Green Planet Energy jeweils samstags. Deren Inhalte hat uns das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) zur Verfügung gestellt, wofür wir sehr herzlich danken!

Alle bisher erschienenen Folgen haben wir für Sie am Ende dieses Beitrags verlinkt.

Unsere neue Wärmepumpen-Serie – Teil 1:
was Sie über klimafreundliche Wärme wissen sollten

Wärmepumpen werden von Klimaschützer:innen wie auch in der Politik derzeit hoch gehandelt – so hat die Ampel-Koalition zum Beispiel erst am 24. März eine „große Wärmepumpen-Offensive“ angekündigt, um das Heizen klimafreundlicher zu machen. Zugleich aber scheint das Wissen über diese Technologie in der Allgemeinheit derzeit noch arg begrenzt zu sein. Zum Beispiel heißt es oft, Wärmepumpen seien nur für Neubauten oder energetisch anspruchsvoll sanierte Gebäude geeignet. Diese gängige Auffassung kann heute jedoch in vielerlei Hinsicht als widerlegt gelten!

Zum Glück – ließe sich sagen –, denn gerade Energieeffizienz im Gebäudebestand ist entscheidend, um die von der Bundesregierung angestrebte Klimaneutralität in Zukunft zu erreichen. Etwa 75 Prozent der Wohnfläche wird heute noch mit fossilen Brennstoffen beheizt. In den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten müssen auch diese Wohnungen vollständig durch CO2-freie Wärme versorgt werden. Die Wärmepumpe ist neben CO2-freier Fernwärme hierbei die Schlüsseltechnologie.

Das Funktionsprinzip: Ob aus der Luft, dem Boden oder dem Grundwasser – Wärmepumpen sammeln Wärme aus der Umgebung, verdichten sie und stellen sie zum Heizen oder für Warmwasser bereit. Grafik: © Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.

Je mehr Studien, Szenarien und Prognosen der Wärmepumpe eine wichtige, ja sogar entscheidende Rolle für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors zuschreiben, desto mehr Fragen kommen zugleich auf: Wie können Wärmepumpen überhaupt im Bestand eingesetzt werden? Müssen alle Bestandsgebäude zuerst umfänglich saniert werden? Sind Wärmepumpen in der Lage, die hohen Vorlauftemperaturen zu gewährleisten? Können Wärmepumpen im Bestand überhaupt sinnvolle Effizienzwerte erreichen? Ist der Betrieb von Wärmepumpen im Bestand eigentlich ökologisch?

Das Ziel unserer neuen Blog-Serie zu Wärmepumpen im Bestand ist, diese und weitere Fragen fundiert zu beantworten, Vorurteilen zu begegnen und somit eine gute Grundlage für die notwendigen Weichenstellungen für einen klimaneutralen Gebäudebestand zu schaffen.

Die einzelnen Folgen, die nun immer samstags erscheinen werden, basieren auf dem Wissen und den Erfahrungen aus fast zwanzig Jahren Wärmepumpen-Forschung am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. In dieser Zeit hat das Fraunhofer ISE unter anderem rund 300 im praktischen Betrieb eingesetzte Wärmepumpenanlagen messtechnisch untersucht und analysiert.

Das Fraunhofer ISE hat speziell Wärmepumpen

in Bestandsgebäuden genauer unter die Lupe genommen.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigen deutlich, dass Wärmepumpen in der Lage sind, auch in nicht oder nur geringfügig sanierten Bestandsgebäuden die notwendige Wärme zu liefern – wobei sie effizient genug sind, um auch dann klare ökologische Vorteile gegenüber fossil betriebenen Heizkesseln zu erzielen.

Zweifellos ist die Herausforderung, eine jeweils passende technische Lösung zu finden und diese erfolgreich zu implementieren, in einigen Fällen größer als in anderen. Die wenigen Fälle, in denen dies nicht gelingt, sollten aber nicht die generelle Sinnhaftigkeit von Wärmepumpen im Bestand in Frage stellen – wie jüngst in einem Artikel auf Spiegel Online. Ebenso fraglos sollte die Installation von Wärmepumpen schneller und einfacher werden, der Betrieb noch effizienter und wirtschaftlicher. Im Wissen darum arbeitet die Wärmepumpen-Branche bereits genau in diese Richtung.

Ein Fachwerkhaus im Winter – lässt sich solch ein Gebäude effizient und klimagerecht per Wärmepumpe beheizen? Bei richtiger Umsetzung durchaus, so die Erkenntnis des Fraunhofer ISE. Foto: © Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.

Anders ausgedrückt: Wir sollten nicht weiter warten, sondern auf eine Lösung setzen, die schon jetzt technologisch ausgereift ist und zu einer Dekarbonisierung des Heizungssektors entscheidend beitragen kann.

In den ab jetzt wöchentlich folgenden Blogbeiträgen analysieren wir die wichtigsten Fragen zu beziehungsweise die häufigsten Argumente gegen Wärmepumpen im Bestand und gleichen sie mit für die jeweiligen Aspekte relevanten Untersuchungsergebnissen ab. In der finalen Folge fassen wir dann die gesammelten Erkenntnisse kompakt zusammen und ziehen ein aktuelles Fazit.

In der zweiten Folge nehmen wir das vermeintliche Haupthindernis für Wärmepumpen in Bestandsgebäuden in den Blick: die hohen Vorlauftemperaturen.

Autor: Dr. Marek Miara, Wärmepumpen-Spezialist am Fraunhofer ISE (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme)

Wenn Sie das Thema noch vertiefen möchten, findet Sie am Ende der jeweiligen Folge weitere Lektüre-Tipps. Heute: ein Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Wärmepumpen.