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EnergiewendeWärmepumpenWärmepumpen-Interview (Teil 3): "Ein dauerhaftes, dynamisches Wachstum ist sehr wahrscheinlich"

Wärmepumpen-Interview (Teil 3): „Ein dauerhaftes, dynamisches Wachstum ist sehr wahrscheinlich“

Die Wärmewende muss kommen. Das ist auch Ziel des neuen Gebäudeenergiegesetzes (GEG), das heute im Bundestag verabschiedet wird. Hersteller und Kund:innen sind bereit – und auch die Technik wird immer besser. Was noch getan werden muss, haben wir Dr. Marek Miara vom Fraunhofer ISE-Forschungsinstitut gefragt, einen der führenden deutschen Experten für diese Technologie.

Die in Wärmepumpen verwendeten Kältemittel sind teils problematisch. Kommt nun die Wende zum klimaverträglichen Kältemittel Propan?
Hier muss man wissen, dass bei diesem Thema mit Halbwissen gezielt polarisiert wird. Es ist falsch zu sagen, eine Wärmepumpe, die kein Propan verwendet, sei per se „schlecht fürs Klima“. Denn die Kältemittel sind gerade bei kleineren Wärmepumpen in hermetischen Kreisläufen sicher eingeschlossen und entweichen nicht – es sei denn bei einem im Normalbetrieb sehr unwahrscheinlichen Leck oder bei unsachgemäßer Entsorgung, was in der Regel aber nicht der Fall ist. Hier ist der Umstieg auf Propan nur eine Frage der Zeit.

Wie steht es denn bei den Großwärmepumpen?
Bei großen Anlagen sind Kältemittel wie Propan und Ammoniak schon länger im Einsatz, das ist technisch kein echtes Problem. Wir werden uns generell hin zu natürlichen Kältemitteln bewegen – und das ist auch gut so. Die Gesetze dafür sind auf dem Weg. Das Thema ist noch allerdings hochemotional. Beim Fraunhofer ISE diskutieren wir aber nur noch über das Tempo, nicht über das Ob. Meine Ansicht ist: Wenn wir warten, bis alle neuen Wärmepumpen mit Propan laufen, bremst das die Wärmewende – stattdessen würde es mehr neue Gas- und Ölkessel geben, weil jetzt noch nicht genug Propan-Wärmepumpen verfügbar sind. Die Richtung hin zu diesem Kältemittel ist aber klar.

Großwärmepumpen nehmen eine zunehmend wichtige Rolle ein. Viele laufen bereits mit dem klimafreundlichen Kältemittel Propan. Foto: © BWP e.V.

Werden die neuen Produktionskapazitäten jetzt automatisch auf Propan umgestellt?
In vielen Fällen ja. Viessmann war bisher in Europa Vorreiter und hatte gesagt, wir stellen jetzt komplett auf Propan um. Mal schauen, wie es mit den neuen Besitzern weitergeht. Die Hersteller in den USA, in China und Japan haben einen ganz anderen Blick auf Kältemittel. Sie haben den Umstieg auf Propan teils sogar torpediert und per Lobbyarbeit in Brüssel darauf hingearbeitet, ihre anders konzipierten Produkte in Europa möglichst langfristig verkaufen zu können. Diese Firmen sind oft so groß, dass sie diese Kältemittel auch selbst herstellen. Wenn die durch Propan ersetzt werden, verdienen sie damit kein Geld mehr.

Sehen Sie beim Thema Fachkräftemangel schon Lösungsansätze?
Ja, denn wir sind zum Glück langsam raus aus der Phase, als Handwerker und deren Verbände gesagt haben, der Umstieg auf die Wärmepumpe funktioniere nicht. Dies ist eine wichtige Veränderung. Zudem liegt bald neues Schulungsmaterial vor, dazu neue Regelwerke wie VDI-Richtlinien zur Installation von Wärmepumpen. Diese Schulungen werden intensiv genutzt, weil die Handwerksbetriebe jetzt Planungssicherheit haben. Eine große Zahl von Monteuren und Firmen, die bislang Gas- und Ölheizungen installiert haben, stellen jetzt auf Wärmepumpe um. Hinzu kommen verbesserte Technik und Standardisierung bei Einbau. Manche Anbieter gehen deshalb davon aus, dass sie schon bald zehn Mal so viele Wärmepumpen installieren können als derzeit in der Branche bislang üblich. Solche Hersteller beschränken sich in der Regel auf einen Hersteller und zwei, drei Modelle und reduzieren damit drastisch ihren Montageaufwand. Es geht um schnelle und einfache Installation, das geht schon mit der Verpackung oder der Konzeption der Anlagen für möglichst leichte Montage los.

Wird nicht auch die Digitalisierung künftig eine wichtige Rolle spielen?
Absolut, das ist die dritte Dimension der jetzt anlaufenden Verbesserungen. Es gibt zum Beispiel Start-ups, die die Erfassung der Gebäude vereinfachen: Da laufen die Bewohner mit ihrem Handy durch und ermitteln zum Beispiel per Bilderkennung, welche Heizkörper ausgetauscht werden müssen. Der Installateur muss dann nicht mehr selbst erst eine Begehung machen; er bekommt gleich eine Anleitung, was er wie zu tun hat – was alles enorm beschleunigt. Dies gibt mir die Hoffnung, dass wir die Pläne für die Wärmewende in Deutschland, beziehungsweise auch in Europa erfolgreich umsetzen können.

Wie wirkt sich dieser Technologiewechsel auf die Beschäftigung aus? Ist das eine Chance für „grünes Wachstum“?
Davon bin ich überzeugt, obwohl ich kein Wirtschaftswissenschaftler bin. Es wird ganz sicher eine Verschiebung der Arbeitskräfte von fossilen Technologien auf erneuerbare stattfinden. Bestimmt wachsen auch kleine und mittlere Firmen, die jetzt komplett ausgebucht sind und deshalb neue Arbeitskräfte einstellen. Wer in diesem Markt aktiv ist, wird absehbar sehr lange sehr gutes Geld verdienen. Zugleich wird sich der Markt konsolidieren, weil große Akteure kleinere aufkaufen, wodurch sehr große Unternehmen entstehen werden. Die nötigen Arbeitskräfte müssen wir aber erst finden und ausbilden, da gibt es derzeit ähnlichen Personalmangel wie in vielen anderen Handwerksberufen.

Ist es sinnvoller, wenn ich meine Wärmepumpe regional ordere oder kann ich bedenkenlos jede nehmen, wo auch immer die herkommt?
Woher die Wärmepumpe selbst kommt, ist weniger wichtig als die Frage, wo der Installateur angesiedelt ist. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, muss ich ja Gewähr haben, dass ein Handwerker kurzfristig das Problem beheben kann. Allerdings werden die großen Anbieter zwar überregional sein, sie werden aber sicher regionale Zentren für Wartung und Service aufbauen.

Wenn Sie ein Fazit ziehen: Wie ist Ihre Prognose für die Entwicklung des Wärmepumpen-Marktes in Deutschland?
Langfristig ist für mich ein dauerhaftes und dynamisches Wachstum sehr wahrscheinlich. Kurzfristig ist es nicht ausgeschlossen, dass wir auch Rückgangsphasen erleben werden. Politische Entscheidungen oder Ereignisse, die aktuell nicht vorhersehbar sind, könnten durchaus einen starken Einfluss auf den Wärmepumpenmarkt haben. Entscheidend ist am Ende die Wirtschaftlichkeit und vor allem das Verhältnis von Strompreis zu Gaspreis.

Dr. Marek Miara,    © Fraunhofer ISE

Dr. Marek Miara forscht seit mehr als 20 Jahren am Fraunhofer ISE (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme) und koordiniert dort als einer der führenden Spezialisten in Deutschland die Arbeiten des Forschungsinstitutes zum Thema Wärmepumpen.

 

Dies ist der dritte und letzte Teil unserer Interviewreihe. Der erste Teil erschien am Montag, 4.9., der zweite am Mittwoch, 6.9.

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Wenn Sie Ihr Wärmepumpen-Wissen noch vertiefen möchten, empfehlen wir unsere zwölfteilige Blogserie zum Thema Wärmepumpen im Bestand: