Bis zum Jahr 2030 sollen in Deutschland vier bis sechs Millionen Wärmepumpen eingebaut sein. Und jede neue Heizung soll bereits ab 2025 mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden. Das hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck als Ziel verkündet. Seitdem ist klar: Die Wärmepumpe wird künftig „die dominierende Technologie“ fürs Heizen sein. Ob das Heizen mit einer Wärmepumpe teuer ist, schauen wir uns in der 8. Folge unserer Blogserie an.

Wir müssen die Nutzung fossiler Brennstoffe stoppen oder bald deutlich reduzieren. Das wichtigste Argument dafür ist der Klimawandel. Der jüngste IPCC-Bericht lässt keinen Platz mehr für Illusionen – das Leben auf unserem Planeten, wie wir es kennen, wird sonst so nicht mehr möglich sein. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir ab sofort alle verfügbaren Lösungen einsetzen. Wärmepumpen spielen hierbei eine  Schlüsselrolle.

Ist das Heizen mit Wärmepumpen nicht zu teuer?

Diese Frage habe ich vor einem Jahr in einem früheren Blog-Beitrag gestellt. Damals habe ich geschrieben: „Unabhängig davon, wie ökologisch sinnvoll eine Technologie ist, wird sie sich nur durchsetzen, wenn sie auch ökonomische Vorteile für ihre Nutzer hat. Die Technik muss sich für den Verbraucher rechnen.“ Danach folgte eine Analyse der Betriebskosten einer Wärmepumpe im Vergleich zu einem Gaskessel. Ob das Heizen mit einer Wärmepumpe teuer ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Für Nutzer sind außer den Anschaffungskosten vor allem die Betriebskosten interessant.

Beim Strompreis hat sich nicht viel verändert. Der mittlere Wärmepumpentarif betrug im Jahr 2021 ebenso 24 ct/kWh wie im Jahr 2020. Inwischen liegt der mittlere Wärmepumpentarif bei ca. 35 ct/kWh, was regional stark schwanken kann. Perspektivisch besteht die Chance, dass der Strompreis sinkt, wenn die EEG-Umlage gestrichen wird. Doch wegen der angespannten Situation auf dem Energiemarkt muss man leider davon ausgehen, dass die Verbraucher aufgrund steigender Kosten an anderer Stelle nichts davon haben werden.

Stark gestiegene Gaspreise

Eine dramatische Änderung gab es beim Gaspreis. Der Durchschnittspreis für eine Kilowattstunde (kWh) Gas lag in Deutschland Anfang 2022 für einen Haushalt in einem Einfamilienhaus bei 12,21 ct/kWh. Das bedeutet einen Anstieg von 73 % im Vergleich zum Vorjahr. Diese Angaben machte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Seit Beginn der russischen Invasion in die Ukraine sind die Preise noch mal stark gestiegen: Auf ca. 20 ct/kWh (Stand 20. März 2022). Diese Zahlen verändern die Betriebskosten von Wärmepumpen erheblich.

Wärmepumpen und Gaskessel im direkten Vergleich

Die folgende Grafik zeigt die monatlichen Kosten von Häusern mit unterschiedlichem energetischen Standard (nicht saniert, teil-saniert und saniert), die mit einer Wärmepumpe oder einem Gaskessel beheizt werden. Bei der Wärmepumpe wurde der heutige mittlere Wärmepumpentarif von 35 Cent betrachtet. Die monatlichen Kosten sind in Abhängigkeit von der Effizienz der Wärmepumpe dargestellt. Beim Gaspreis wurde der Preis von Januar 2022 in Höhe von 12 ct/kWh angenommen, von Mitte März 2022 in  Höhe von 20 ct/kWh, sowie ein hypothetischer Preis von 25 ct/kWh, der kurzfristig und mittelfristig nicht auszuschließen ist.

Um die Unterschiede der heutigen Situation direkt beurteilen zu können, habe ich die Grafik um die rechte Spalte (monatliche Ersparnisse mit einer Wärmepumpe gegenüber einem Gaskessel) erweitert. Die Werte wurden für unterschiedliche Gaspreise berechnet sowie für eine Effizienz der Wärmepumpe von 3,0, was konservativ ist. Schon heute liegen die Ersparnisse bei 92 bis 224 € pro Monat. Berechnungen mit einem hypothetischen – aber nicht unwahrscheinlichen – Gaspreis von 25 ct/kWh zeigen: Das Heizen mit einer Wärmepumpe ist nicht teuer; im Gegenteil, man kann sogar bis zu 4.000 € pro Jahr sparen.

Hohe Nachfrage nach Wärmepumpen

Als Folge der steigenden Gaspreise stornieren viele Kunden ihre Gaskessel-Anträge und entscheiden sich für eine Wärmepumpe. Das verschärft die ohnehin bereits angespannte Installationslage. Es ist nicht nur schwieriger, eine Wärmepumpe kurzfristig installiert zu bekommen. Die Installation kostet inzwischen auch mehr. Meiner Meinung nach, zu viel. Es ist zu hoffen, dass mehr und mehr Installateure von Gasheizungen auf Wärmepumpen umsteigen. Bessere Bedingungen als jetzt, gab es noch nie. Langfristig sind technologische Entwicklungen zu erwarten, welche die Installation von Wärmepumpen vereinfachen und so die Installationszeit verkürzen.

Zum Weiterlesen:

Cambridge Econometrics hat gerade eine umfangreiche Studie zum Vergleich der unterschiedlichen energetischen Zukunftsszenarien veröffentlicht. Die Ergebnisse bestätigen erneut, dass die Umstellung auf Wärmepumpen und hocheffiziente Gebäude den größten sozio-ökonomische Nutzen für Europa bringen werden. Deshalb empfiehlt es sich, lieber heute als morgen auf Wärmepumpen umzusteigen. Das gilt für Installateure ebenso wie für die Kunden.

Überblick über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Wärmepumpen.

Die Inhalte unserer jeweils am Samstag erscheinenden Wärmepumpen-Blogserie hat uns das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) zur Verfügung gestellt, wofür wir sehr herzlich danken!

Autor: Dr. Marek Miara, Wärmepumpen-Spezialist am Fraunhofer ISE (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme)

In Folge 7 haben wir uns damit beschäftigt, wieviel Klimaschutz Wärmepumpen im Bestand bringen. Nächsten Samstag – in Folge 9 – beantworten wir die Frage, ob es sich lohnt, die technologische Entwicklung abzuwarten.

Links zu allen bisher erschienen Folgen finden Sie hier im Kasten am Ende von Folge 1.