blog
Engagiert für KlimaschutzKundenporträtsBio-Brot aus dem vollen Korn? Ährensache!

Bio-Brot aus dem vollen Korn? Ährensache!

„Ökologische Produkte und soziale Integration, untrennbar Hand in Hand“ – so lauteten bei der Gründung der Ährensache Vollkornbäckerei GmbH im rechtsrheinischen Köln-Holweide die Prinzipien. Diese Werte werden im Unternehmensalltag durch den Geschäftsführer Herrn Johannes Wenning auch nach 25 Jahren noch authentisch gelebt. Unser Kölner Kollege Dirk Meyer hat sich persönlich umgeschaut.

Bescheiden, familiär, sympathisch – so könnte man nicht nur das Ladenlokal der Bio-Vollkornbäckerei „Ährensache“ in der Piccoloministraße in Holweide beschreiben, sondern auch den Geschäftsführer Johannes Wenning.

Johannes Wenning, Geschäftsführer Ährensache Vollkornbäckerei GmbH, Foto: Dirk Meyer / Greenpeace Energy

Wie viele Unternehmer weist Wenning einen ungewöhnlichen Lebenslauf auf. Als der gelernte Raum- und Städteplaner nach Abschluss seines Diplom-Studiums seiner zukünftigen Beschäftigung entgegenblickt, graust ihn die Vorstellung dessen, was ihn erwartet. „Ich bin kein Einzelkämpfer und ich hatte keine Lust auf diese bürokratisierte Ellbogenwirtschaft.“ Statt also beispielsweise in die Verwaltung zu gehen, entscheidet sich Wenning für das Bäckerhandwerk. Er möchte etwas machen, was er einerseits als sinnvoll ansieht, bei dem er andererseits aber auch selber direkt mit anpacken kann.

1992 gründet Wenning gemeinsam mit einem Freund, sowie der Arbeiterwohlfahrt die Ährensache Vollkornbäckerei GmbH. Das Haus, in der sich die Backstube und das Ladenlokal befinden, wird durch die Arbeiterwohlfahrt gekauft und von Anfang an als soziales Projekt geplant. Die Idee: Die Einbindung von psychisch kranken Menschen in die Produktion von Bio-Backwaren, inklusive betreutem Wohnen im gleichen Haus.

Nach den klassischen Gründeranfangsschwierigkeiten, dem Ausscheiden der Arbeiterwohlfahrt aus dem privatrechtlichen Unternehmen und dem Ausscheiden des Mitgründers aus persönlichen und familiären Gründen, hat sich viel verändert. Doch einiges ist auch 25 Jahre nach Gründung noch beim Alten: Wenning setzt nach wie vor auf hochwertige Biorohstoffe, auf die Gesundheit des vollen Korns und auf eine Arbeitsatmosphäre, die für einen geringen Personaldurchlauf sorgen. Auch die Wohngemeinschaften in den oberen Stockwerken betreut er nach wie vor. Ökostrom von Greenpeace Energy bezieht der Ökopionier der frühen Stunde bereits seit 2008 für seine Backstube. Ab 2019 wird diese auch mit proWindgas beliefert.

„Ich war damals schon bei den Anfängen der Anti-Atom-Bewegung mit dabei und habe gegen Gorleben demonstriert – ich finde gut, was Greenpeace und Greenpeace Energy machen und möchte aktiv meinen Teil beitragen. Auf Grünstrom-Etikettenschwindel habe ich keine Lust. Ich gehe für Lebensmittel auch lieber zum Hofladen als zum Discounter.“
Johannes Wenning, Geschäftsführer der Bio-Vollkornbäckerei „Ährensache“

Täglich verlassen etwa 700 Brote und unzählbare Kleinbackwaren die Backstube und werden sowohl im kleinen Ladengeschäft verkauft, als auch an zahlreiche Verkaufsstellen im Kölner Umland geliefert: Bio-Supermärkte, Naturkostläden, Bio-Bauern und Reformhäuser zählen zu den Kunden der Vollkornbäckerei. Auch das nachhaltige Cinenova Kino in Köln-Ehrenfeld wird von Ährensache (und von Greenpeace Energy) beliefert.

In der Backstube findet man hohe Qualität und wenige Maschinen. Zwei große Öfen, eine Teigmaschine, sowie zwei Maschinen für das Ansetzen von Naturroggensauerteig und den Backfermentansatz. So kann der Bäcker zahlreiche Backwaren ohne Hefe anbieten und verarbeitet neben Weizen auch Roggen, Dinkel, Hafer, Kamut und einige andere Getreidesorten. Wer endlos lange Fertigungsstraßen sucht, ist bei Ährensache fehl am Platz.

Freude bei der Arbeit, Foto: Ährensache

Für die Backwaren selbst ist dann Handarbeit angesagt: im Rotationsverfahren durchlaufen die Bäcker, die teilweise vor Feiertagen ihre Schicht schon um 21:00 beginnen, die verschiedenen Stationen wie Teigkneten und Ofen, um eine einseitige Überbelastung des einzelnen Mitarbeiters zu vermeiden. Die grobe Schichteinteilung nimmt Wenning anhand der Auftragslage vor – den Feinschliff regelt das Team unter sich. Das führt zu einer hohen Zufriedenheit beim Personal. „Ich wollte eine Firma haben, in der ich mich wohl fühle und in der ich auch selber arbeite würde“. Auf die Frage hin, was er für die Zukunft erwartet, muss Wenning lächeln. „Die Nachfolgersuche. Das wird vermutlich mein letztes großes Projekt innerhalb der nächsten 2-3 Jahre.“

Mit einer Spinattasche bewaffnet – natürlich Bio, Vollkorn und vegan – verabschiede ich mich vom sympathischen Herren und wünsche ihm alles Gute. Und uns allen im Rheinland, dass er einen würdigen Nachfolger mit ähnlichen Werten findet.

Text: Dirk Meyer