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Dingen ein zweites Leben schenken – 15 Jahre Lockengelöt

Für die einen ist es Müll, für die anderen der Rohstoff für nachhaltige Wohnaccessoires. Zu letzteren gehört unser Kunde Löckengelöt aus dem Hamburger Karoviertel. Lange bevor das Thema Upcycling zum Schlagwort wurde, wurden hier schon ausgediente Gegenstände zu neuem Leben erweckt – als Schlüsselbrett, Couchtisch oder Deckenleuchte.

Carsten Trill und Dennis Schnelting, Gründer von Lockengelöt (Foto: Lockengelöt)

Bei Lockengelöt heißt es nicht bloß „aus alt mach neu“. Der Anspruch von Dennis Schnelting und Carsten Trill, den beiden Gründern des Hamburger Unternehmens, geht noch eine ganze Ecke weiter. Sie selber bezeichnen ihre Arbeit demnach als Zweckentfremdung von Alltagsgegenständen in Handarbeit. Aus dem Müll der anderen entstehen keine reinen Deko Objekte – sie müssen immer eine Funktion haben und es muss gleichzeitig auch ein gut gemachtes, schönes Produkt sein. Auf diese Weise begegnen sie unserer Wegwerfgesellschaft nun schon seit 15 Jahren nicht nur geist- sondern auch überaus erfolgreich.

Anlässlich ihres fünfzehnten Geburtstags sprechen wir mit Carsten Trill über seelenlose Alltagsgegenstände, ausgefallene Geschenkideen und welche Rolle Nachhaltigkeit in ihrem Geschäftsalltag spielt.

Greenpeace Energy: Carsten, erst einmal: Alles Gute zu Eurem Jubiläum! Vor 15 Jahren fing es an mit einer „komischen Idee für ein Geschäft“, wie Ihr auf Eurer Webseite schreibt. Hattet Ihr einen konkreten Plan? Oder war es einfach die Lust und Freude, aus etwas Altem etwas völlig Neues zu gestalten?

Couchtisch „Betty“ (Foto: Lockengelöt)

Carsten Trill: Es war eine Mischung aus Plan und Blauäugigkeit. Klar war: Wir wollen Gegenstände, die von Fortschritt oder Zeitgeist überholt wurden, mit einer neuen Funktion wiederbeleben, sie in einen neuen Kontext stellen. Das macht einfach unheimlich Spaß, wenn man etwas irgendwie umbaut und dann klar wird, dass das ein neues Serienprodukt werden kann.
Von der geschäftlichen Seite wussten wir nichts, also: was heißt es einen Laden zu führen, Buchhaltung, Preise. Ist ja auch gut, wenn man ins kalte Wasser springt und nicht weiß wie unglaublich aufwendig und langweilig manches ist.

Greenpeace Energy: Bei Euch werden Schallplatten zu Obstschalen oder Lampen, alte Ölfässer zu Couchtischen oder Hausbars. Woher nehmt Ihr Eure Ideen? Und wo kommen die Materialien her?

Carsten Trill: Früher war es eine unglaubliche Vielzahl von Materialen, mit der Zeit haben sich vor Allem vier Materialien bewährt: Ölfässer, Schallplatten, Bücher und Skateboards. Teilweise bekommen wir sie geschenkt, teilweise benutzen wir Überproduktion oder B-Ware, bei den Skateboards zum Beispiel betreiben wir ein deutschlandweites Bretter-Sammelnetzwerk. Von Titus Bamberg bis Lobby Hamburg kann man an ca. 35 Skateshops zerfahrene Decks abgeben, die dann in unserer Werkstatt landen.
Die Ideen kommen entweder zufällig oder ganz gezielt, wenn sich beispielsweise ein Kunde etwas wünscht und wir dann darauf eingehen und ein neues Produkt oder eine Variante entwerfen.

Greenpeace Energy: Als ich Mitte der 2000er erstmals vor Eurem Schaufenster stand – damals noch in der Wohlwillstraße auf Hamburg St. Pauli –, war mir offen gesprochen nicht ganz klar, ob das nun eine Kunstgalerie, ein Möbelgeschäft oder ganz was anderes ist. Macht Ihr Kunst, auf der man sitzen kann? Oder einfach nur sehr künstlerische Gebrauchsgegenstände?

War mal ein Skateboard, dient nun als stylischer Topfuntersetzer. (Foto: Lockengelöt)

Carsten Trill: Auf jeden Fall haben all unsere Produkte eine klare Funktion, also mehr Produktdesign als Kunst. Auf der anderen Seite verschiebt man ja durch die ungewöhnliche Materialwahl auch die Sichtweise auf bestehende Dinge, das ist ein interessanter, kleiner Moment, der Richtung Kunst abbiegt.

Greenpeace Energy: Was ich mich ebenfalls schon damals fragte… warum dieser Name? Kannst Du uns Lockengelöt erklären?

Carsten Trill: Der stammt ursprünglich vom Trio „Studio Braun“ aus Hamburg und fällt eher beiläufig auf ihrer ersten, unglaublichen Telefonstreich-CD von 1998, die bei manchen Leuten und auch bei uns eingeschlagen ist wie eine Bombe. Das Wort hat sich damals in unsere Sprache gemogelt, wir haben es immer benutzt, wenn wir über die Ladeneinrichtung gesprochen haben und irgendwann stand einfach fest: Lasst uns doch das ganze Geschäft so nennen. Lockengelöt. Früher hat Google auch immer gefragt: „Meinten Sie Glockengeläut?“ Das ist jetzt nicht mehr so.

Greenpeace Energy: Was war der bisher ungewöhnlichste Gegenstand, dem Ihr ein zweites Leben geschenkt habt?

Carsten Trill: Da gibt es ein paar… zum Beispiel eine Lampe aus Flugzeugteilen als Abschiedsgeschenk für einen Lufthansa Mitarbeiter, eine Kicker-Pokalserie aus einem komplett zersägten Kickertisch. Das mit Abstand Ungewöhnlichste war ein Auftrags-Instrument aus einem Gitarren-E-Bass und einem Dönerspiess-Imitat aus Plastik, das dann wie ein Kontrabass spielbar war. Für die vegetarische Band „Butch Meier“, die sich textlich auf das Thema Fleisch spezialisiert hat.

Greenpeace Energy: Und was wäre der Gegenstand, der von Euch unbedingt noch in etwas Neues und Schönes verwandelt werden muss?

Carsten Trill: Viele Alltagsgeräte sehen heute aus wie komisches Action-Plastik-Spielzeug, zum Beispiel Rasierer, Föne oder Bügeleisen. Die sind so charakterlos, da kann man einfach nichts mehr verwandeln. Wahrscheinlich liegt die Zukunft im Zerlegen, Trennen und neu zusammensetzen. Neulich habe ich irgendwo Schuhe gesehen, die teilweise aus Ozeanplastik hergestellt wurden, gleichzeitig aber einfach richtig gut aussahen, das ist eine sehr gute, zeitgemäße Kombination. Also sag ich mal: Einkaufswagen aus alten Bügeleisen.

Greenpeace Energy: Welche Rolle spielt dabei das Thema Nachhaltigkeit? Die Greenpeace Flagge bei Euch im Schaufenster wird dort sicherlich nicht rein zufällig ihren Platz gefunden haben…

Carsten Trill: Stimmt, das war die „Planet Earth First“ Flagge zum G20 Gipfel in Hamburg, jetzt hängt sie hinter dem Tresen. Wir versuchen seit Gründung ein „gute“ Firma zu sein, gleichzeitig wollen wir aber auch nicht dogmatisch sein. Unsere Produkte und unser Geschäft sollen Spaß machen und auf den zweiten Blick zeigen, dass man Dinge anders lösen kann.

Was wir im Einzelnen machen um nachhaltiger zu sein: Die Wahl unserer Materialien spart schon mal sehr viele Ressourcen, der Strom stammt aus grünen Quellen, wir sind im Geschäft auf LED-Beleuchtung umgestiegen, verschicken mit Go Green, verwenden zum Beispiel Papierklebeband statt Plastik, damit unsere Versandpakete pures Papier bleiben. Für jedes Massivholzbrett, das wir als Tischplatte für unsere Ölfass-Schränke verkaufen, lassen wir einen zertifizierten Baum pflanzen. Genauso bei jedem 5. Skateboard, das unserem Sammelnetzwerk Skateboard Recycling gespendet wird. Es gibt so viele Kleinigkeiten, die man verbessern kann. Uns packt dann auch der Optimier-Ehrgeiz und die Freude, wenn man es dann erreicht hat. Obwohl nachhaltig meistens ein Nachteil ist: PVC Klebeband wäre billiger, Flyer auf un-recyceltem Papier ebenfalls.

Greenpeace Energy: Eure komische Idee hat sich zu einer international bekannten Designmanufaktur entwickelt – Euch findet man u.a. im Stern, in „Schöner Wohnen“ und im GEO Magazin, Eure Produkte sind mittlerweile in ganz Europa erhältlich. Würdest Du sagen, der Punkrock ist im Mainstream angekommen?

Carsten Trill: Das mit dem Geo-Magazin hat mich sehr gefreut, denn als ich 2003 nach Hamburg gezogen bin, habe ich das damalige Geo.Spezial Hamburg bewundert. Umso schöner uns jetzt dort zu sehen. Unsere Firma ist aber auf jeden Fall immer noch eine unglaublich kleine Nische in der Möbel- und Einrichtungs-Branche und das gefällt uns gut so. Der „Grüne Gedanke“ ist allerdings auf einem guten Weg in den Mainstream und das finde ich großartig. Es wird ja auch Zeit und er muss in jede Fuge eindringen.

Greenpeace Energy: Vielen Dank für Deine Zeit. Wir wünschen Euch auch weiterhin viel Erfolg und tolle Ideen!

INFO: Mehr Infos und den Onlineshop finden Sie auf der Webseite von Lockengelöt. Zudem verlosen wir 3 Topfuntersetzer, die in ihrem vorherigen Leben Skateboards waren. Zur Teilnahme an der Verlosung schicken Sie uns bitte bis zum 29. August eine E-Mail mit dem Betreff Lockengelöt und ihren Kontaktdaten an verlosung@greenpeace-energy.de. Wir wünschen Ihnen viel Glück!

Matthias Hessenauer
Matthias Hessenauer
Der Medienkaufmann und studierte Marketing-Kommunikations-Ökonom ist seit 2008 bei Green Planet Energy tätig. Nach seinem Quereinstieg in den Privatkundenservice und weiteren acht Jahren im Marketing, verantwortet er seit 2019 den Bereich Kooperationen bei Green Planet Energy.