Wärmepumpe im Altbau: Zwei Praxistests

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Günstige, umweltfreundliche Wärmeversorgung – das wünschen sich auch Haus- und Wohnungseigentümer im Altbau. Aber kann die Wärmepumpe im Altbau ohne Dämmung effizient arbeiten? Wir berichten in der 6. Folge unserer Blogserie, wie Wärmepumpen in zwei alten Bestandsgebäuden gute Ergebnisse erzielen. In beiden Häusern wurden der Heizungstausch vor etwa fünf Jahren vorgenommen. Die Wärmepumpenheizungen sorgen für Raumwärme und Warmwasserbereitung.

Wann Wärmepumpen im Altbau sinnvoll sind

Wärmepumpen machen die Energie der Umwelt zum Heizen nutzbar. Dieses Wärmeverteilsystem gilt als sparsam und besonders umweltschonend. Bei älterem Gebäudebestand stellt sich allerdings die Frage, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind, um die Raumheizungseffizienz tatsächlich zu verbessern. Denn grundsätzlich zahlt sich ein guter Dämmstandard des Gebäudes aus, um die Wärmepumpe bei niedriger Vorlauftemperatur sparsam arbeiten zu lassen. Besonders effizient arbeitet die Wärmepumpe – on Außen- oder Innenaufstellung – in Verbindung mit einer Fußbodenheizung, die im unsanierten Altbau in der Regel nicht vorhanden ist.

Die Heizlastberechnung ergibt im ungedämmten Altbau oft hohe Werte. Ob sich eine Wärmepumpe sinnvoll nachrüsten lässt, erkennen Sie, indem Sie die Vorlauftemperatur an einem kalten Tag reduzieren, die Thermostate aber aufdrehen. Wird es in Ihrem Haus angenehm warm, kann sich die Wärmepumpe im Altbau lohnen.

Natürlich ist es ein sehr großer Aufwand, im Altbau eine Flächenheizung nachzurüsten. Möchten Sie eine Wärmepumpe mit Heizkörpern kombinieren, sollten Sie vorab effizienzsteigernde Maßnahmen durchführen, z.B.:

  • Prüfung der Heizkörper auf ausreichende Größe
  • Hydraulischer Abgleich des Heizungssystems
  • Kalibrieren der Heizkurve
  • Idealerweise Fensteraustausch und/ oder weitere Dämmmaßnahmen

Wärmepumpe für den Altbau, Praxistest 1

Objekt und Ergebnis auf einen Blick:

  • Altbau
  • 84 Jahre alt
  • kaum gedämmt
  • Luftwärmepumpe erzielt gute Effizienz

In diesem älteren, freistehenden Einfamilienhaus wurden kaum Maßnahmen zur Sanierung durchgeführt. Weder die Wände noch das Dach sind gedämmt. Einzige Dämmmaßnahme: Die Eigentümer ließen die Fenster austauschen, so dass diese dem heutigen Standard entsprechen. Vor der Entscheidung, eine Wärmepumpe zu kaufen und einbauen zu lassen, verbrauchte das Haus sehr viel Energie zum Heizen: Im Jahr der Auswertung waren es 207 kWh pro m².

Als die Hauseigentümer eine Luftwärmepumpe (Außenaufstellung) einbauten, tauschten sie auch die Heizkörper aus. Sie entschieden sich für so genannte Gebläsekonvektoren. Diese Art von Heizkörpern reduzieren die notwendigen Vorlauftemperaturen von Wärmepumpen noch deutlicher als herkömmliche Konvektoren. Deshalb eignen sie sich besonders gut für die Kombination mit Wärmepumpen.

Trotz des hohen Bedarfs an Heizwärme erreicht die Außenluftwärmepumpe in diesem Gebäude eine gute Effizienz von 3,0. Der Heizstab der Wärmepumpe hat im Außengerät kaum gearbeitet (unter 1%). Vor dem Einbau der Wärmepumpe wurde das Haus direkt-elektrisch mit einer Nachtspeicherheizung erwärmt. Der Austausch hat also mit sehr wenigen zusätzlichen Maßnahmen zu signifikanten Einsparungen an Kosten und COgeführt. Trotz ungünstiger Bedingungen war der Einbau der Wärmepumpe sinnvoll.

Wärmepumpe für den Altbau, Praxistest 2

Objekt und Ergebnis auf einen Blick:

  • Altbau
  • 48 Jahre alt
  • nur das Dach gedämmt
  • Erdwärmepumpe erreicht Effizienz von 3,7

Im zweiten Haus tauschten die Besitzer im Jahr 2009 ihren Ölkessel gegen eine Erdwärmepumpe mit Erdwärmesonden aus. Lange vorher, bereits im Jahr 1990, hatten sie ihr Dach gedämmt. Die Wände und Fenster hingegen befinden sich noch immer im Originalzustand. Der gemessene jährliche Heizwärmeverbrauch von etwa 100 kWh pro m² entspricht ungefähr dem Durchschnitt des Gebäudebestandes in Deutschland.

Das System der Wärmepumpen wird seit mehreren Jahren kontinuierlich messtechnisch begleitet. Obwohl die Anlage die zweithöchsten mittleren Vorlauftemperaturen innerhalb der untersuchten 15 Erdwärmepumpen – etwa 45°C – aufweist, beträgt die Effizienz der Wärmepumpe etwa 3,7. Die jährlichen Schwankungen sind minimal. Wie bei nahezu allen Erdwärmepumpen kam der Heizstab überhaupt nicht zum Einsatz.

Die Wärmeübergabe findet über klassische Plattenheizkörper statt, die beim Austausch des Wärmeerzeugers nicht ausgewechselt wurden. Die beheizte Wohnfläche beträgt 170 m². Laut Angaben der Bewohner beträgt die monatliche Stromrechnung für den gesamten Stromverbrauch, also alle elektrischen Geräte inklusive der Wärmepumpe, etwa 120€.

Fazit: Auch in kaum gedämmten Altbauten arbeiten Wärmepumpen effizient

Die beiden Beispiele zeigen eindrücklich, dass Wärmepumpen auch dann eine gute Effizienz erreichen können, wenn die Häuser nicht oder nur teilweise saniert sind. Beide Häuser sind architektonisch, in Bezug auf die Bausubstanz und im Hinblick auf die eingesetzte Wärmepumpentechnik repräsentativ für eine große Anzahl ähnlicher Gebäude. Und bei beiden kommen keine ungewöhnlichen Installationen zum Einsatz.

Praxistest 1 zeigt zudem sehr gut, dass zielgerichtete Maßnahmen, die relativ wenig kosten (z.B. Heizkörper austauschen), viel bewirken können. Andere Fälle zeigen, dass solche Sanierungsmaßnahmen auch erst mehrere Jahre nach Einbau der Wärmepumpe durchgeführt werden können und das Haus trotzdem gute Effizienzwerte erreicht. Im Endbericht des Forschungsprojekts WPsmart im Bestand werden diese und die anderen untersuchten Häuser detailliert beschrieben und analysiert.

In der nächsten Folge der Serie stellen wir die entscheidende Frage in Bezug auf die Rolle von Wärmepumpen im zukünftigen, klimaneutralen Energiesystem: Wie ökologisch arbeiten die Wärmepumpen im Bestand?

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Wärmpumpen im Altbau

Ist eine Wärmepumpe für Altbauten sinnvoll?

Wärmepumpen in Bestandsgebäuden können durchaus sinnvoll sein. Auch bei niedrigem Sanierungsstand des Gebäudes ist ein wirtschaftlicher Einsatz beispielsweise von Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdkollektor möglich.

Welche Wärmepumpe eignet sich im Altbau?

Unser Praxistest zeigt, dass sowohl die Luftwärmepumpe als auch die Erdwärmepumpe im Altbau gute Effizienz erzielen kann. Es sind keine ungewöhnlichen Installationen nötig, und schon einfache, zielgerichtete Maßnahmen wie ein Heizkörpertausch können viel bewirken.

Kann eine Wärmepumpe mit normalen Heizkörpern betrieben werden?

Es ist durchaus möglich, eine Wärmepumpe mit herkömmlichen Heizkörpern effektiv zu betreiben. Idealerweise sollten Sie vorab einen hydraulischen Abgleich der Heizkörper durchführen und den Dämmstandard, wenn möglich, verbessern.

 

Zum Weiterlesen:

Überblick über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Wärmepumpen.

Die Inhalte unserer jeweils am Samstag erscheinenden Wärmepumpen-Blogserie hat uns das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) zur Verfügung gestellt, wofür wir sehr herzlich danken!

 

Experte: Dr. Marek Miara, Wärmepumpen-Spezialist am Fraunhofer ISE (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme)

Vergangene Woche – in Folge 5: Heizstab Wärmepumpe – haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob ein Heizstab die Effizienz verringert. Am kommenden Samstag, in Folge 7: Wärmepumpe Effizienz, geht es um die Frage nach der Effizienz einer Erdwärme- und einer Luftwärmepumpe im Bestand.

Links zu allen bisher erschienen Folgen finden Sie im Kasten am Ende der ersten Folge: Wann ist eine Wärmepumpe sinnvoll?