Wärmepumpen-Blogserie: Zwei Altbauten mit Wärmepumpe im Praxis-Test

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Wärmepumpen können auch im Altbau gut funktionieren.
Auch im Altbau können Wärmepumpen effizient sein. © BWP e.V.

Wie gut arbeiten Wärmepumpen in Altbauten in der Praxis, die entweder teilsaniert oder unsaniert sind? Das berichten wir in der 6. Folge unserer Blogserie: Zwei Bestandsgebäude, in denen Wärmepumpen trotzdem gute Ergebnisse erreichen.

Beide Häuser sind Altbauten, sie wurden vor 84 bzw. 48 Jahren gebaut. Beide stehen in den kältesten Klimazonen im Südosten Deutschlands. In beiden Häusern wurden vor etwa fünf Jahren Wärmepumpenheizungen installiert, die außer den Wohnräumen auch das Trinkwasser erwärmen. Beide Gebäude haben keine Fußbodenheizung.

Praxistest 1: Altbau, 84 Jahre alt, kaum gedämmt, Luftwärmepumpe erzielt gute Effizienz

In diesem älteren, freistehenden Einfamilienhaus wurden kaum Maßnahmen zur Sanierung durchgeführt. Weder die Wände noch das Dach sind gedämmt. Die Eigentümer ließen lediglich die Fenster austauschen, so dass diese dem heutigen Standard entsprechen. Vor dem Einbau der Wärmepumpe verbrauchte ihr Haus sehr viel Energie zum Heizen: Im Jahr der Auswertung waren es 207 kWh pro m².

Als die Hauseigentümer im Außenbereich eine Luftwärmepumpe einbauten, tauschten sie auch die Heizkörper aus. Sie entschieden sich für so genannte Gebläsekonvektoren. Diese Art von Heizkörpern reduzieren die notwendigen Vorlauftemperaturen noch deutlicher als herkömmliche Konvektoren. Deshalb eignen sie sich besonders gut für die Kombination mit Wärmepumpen.

Trotz des hohen Bedarfs an Heizwärme erreicht die Außenluftwärmepumpe in diesem Gebäude eine gute Effizienz von 3,0. Der Heizstab hat kaum gearbeitet (unter 1%). (Dem Thema Heizstab haben wir eine eigene Folge gewidmet.) Vor dem Einbau der Wärmepumpe wurde das Haus direkt-elektrisch mit einer Nachtspeicherheizung erwärmt. Der Austausch hat also mit sehr wenigen zusätzlichen Maßnahmen zu signifikanten Einsparungen an Kosten und CO2 geführt.

Praxistest 2: Altbau, 48 Jahre alt, nur das Dach gedämmt, Erdwärmepumpe erreicht Effizienz von 3,7

Im zweiten Haus tauschten die Besitzer im Jahr 2009 ihren Ölkessel gegen eine Erdwärmepumpe mit Erdwärmesonden aus. Und lange vorher, bereits im Jahr 1990, hatten sie ihr Dach gedämmt. Die Wände und Fenster hingegen befinden sich noch immer im Originalzustand. Der gemessene jährliche Heizwärmeverbrauch von etwa 100 kWh pro m² entspricht ungefähr dem Durchschnitt des Gebäudebestandes in Deutschland.

Das System der Wärmepumpen wird seit mehreren Jahren kontinuierlich messtechnisch begleitet. Obwohl die Anlage die zweithöchsten mittleren Vorlauftemperaturen innerhalb der untersuchten 15 Erdwärmepumpen – etwa 45°C – aufweist, beträgt die Effizienz der Wärmepumpe etwa 3,7. Die jährlichen Schwankungen sind minimal. Wie bei nahezu allen Erdwärmepumpen kam der Heizstab überhaupt nicht zum Einsatz.

Die Wärmeübergabe findet über klassische Plattenheizkörper statt, die beim Austausch des Wärmeerzeugers nicht ausgewechselt wurden. Die beheizte Wohnfläche beträgt 170 m². Laut Angaben der Bewohner beträgt die monatliche Stromrechnung für den gesamten Stromverbrauch, also alle elektrischen Geräte inklusive der Wärmepumpe, etwa 120€.

Fazit: Auch in kaum gedämmten Altbauten arbeiten Wärmepumpen effizient.

Die beiden Beispiele zeigen eindrücklich, dass Wärmepumpen auch dann eine gute Effizienz erreichen können, wenn die Häuser nicht oder nur teilweise saniert sind. Beide Häuser sind architektonisch, in Bezug auf die Bausubstanz und im Hinblick auf die eingesetzte Wärmepumpentechnik repräsentativ für eine große Anzahl ähnlicher Gebäude. Und bei beiden kommen keine ungewöhnlichen Installationen zum Einsatz

Der Fall des ersten Hauses zeigt zudem sehr gut, dass zielgerichtete Maßnahmen, die relativ wenig kosten (z.B. Heizkörper austauschen) viel bewirken können. Andere Fälle zeigen, dass solche Sanierungsmaßnahmen auch erst mehrere Jahre nach Einbau der Wärmepumpe durchgeführt werden können und das Haus trotzdem gute Effizienzwerte erreicht. Im Endbericht des Forschungsprojekts „WPsmart im Bestand“ werden diese und die anderen untersuchten Häuser detailliert beschrieben und analysiert.

In der nächsten Folge der Serie stellen wir die entscheidende Frage in Bezug auf die Rolle von Wärmepumpen im zukünftigen, klimaneutralen Energiesystem: Wie ökologisch arbeiten die Wärmepumpen im Bestand?

Zum Weiterlesen:

Überblick über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Wärmepumpen.

Die Inhalte unserer jeweils am Samstag erscheinenden Wärmepumpen-Blogserie hat uns das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) zur Verfügung gestellt, wofür wir sehr herzlich danken!

 

Autor: Dr. Marek Miara, Wärmepumpen-Spezialist am Fraunhofer ISE (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme)

Vergangene Woche – in Folge 5 – haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob ein Heizstab die Effizienz verringert. Am kommenden Samstag, in Folge 7, geht es um die Frage nach der Effizienz einer Erdwärme- und einer Luftwärmepumpe im Bestand.

Links zu allen bisher erschienen Folgen finden Sie hier im Kasten am Ende von Folge 1.