Der Klimawandel ist Realität – auch bei uns in Deutschland. Als Besitzer:innen eines eigenen Gartens sehen und spüren wir die klimatischen Veränderungen seit Jahren. Ein neues Buch beschäftigt sich nun mit den Auswirkungen der Erderhitzung auf heimische Beete und Gewächse – und zeigt, wie man auf das veränderte Klima reagieren kann.

Heiße und trockene Sommer lassen Rasenflächen verdorren, Starkregen und heftige Stürme schädigen Beete und Pflanzen. So weit, so beunruhigend. Aber Gärtner:innen wissen: Leben ist Veränderung. Nirgends lässt sich dieser simple Grundsatz besser beobachten und erfahren als im Garten. Kein Garten sieht an zwei Tagen identisch aus: immer blüht und verblüht etwas, muss hier etwas weggezupft werden und dort nachgepflanzt werden. Und das ist die gute Nachricht: Wir sind den klimatischen Veränderungen keineswegs hilflos ausgeliefert, sondern können diese aktiv in die Gartengestaltung einbeziehen und unseren Garten so fit für den Klimawandel machen!

Einen hilfreichen Kompass zur klimatauglichen Pflanzenauswahl hat nun der Österreichische Gärtner und Kräuterpädagoge Norbert Griebl mit seinem Buch „Gärtnern im Klimawandel“ vorgelegt. Auf über 200 Seiten mit vielen, teils großformatigen Farbfotografien, stellt er eine fundierte Pflanzenauswahl vor.

Die Einführung sollte man in diesem Buch keinesfalls überspringen, denn hier stellt Griebl die Anforderungen an einen zukunftsfähigen und klimafitten Garten gut strukturiert und umfassend dar. Er gibt der Leserschaft sogar einen konkreten Maßnahmenkatalog an die Hand, wie der heimische Garten auf heftigere Wetterereignisse vorzubereiten ist.

Mit diesem Wissen ist man als Leser:in gut vorbereitet, um sich im Hauptteil mit der Pflanzenauswahl zu beschäftigen.  Hier unterscheidet der Autor in Ein- und zweijährigen Arten (die schnellen Helfer im Garten), Stauden (gibt es nahezu für jeden Standort) und Gehölzen (prima fürs Kleinklima). Zu jeder Art gibt es einen kurzen Steckbrief sowie weitere Informationen zu Standort und Boden, besonderen Eigenschaften und geeigneten Partnern.

Es werden auch „heikle“ wärmeliebende Pflanzen vorgestellt, die nach wie vor im eher nasskühlen Norddeutschland schlechte Voraussetzungen haben – in südlichen Regionen wie etwa an der Weinstraße aber beste Bedingungen vorfinden. Daher ist es enorm wichtig, sich in einem ersten Schritt darüber klar zu werden, wie die Bedingungen vor Ort aussehen. Wie wirken sich Extremwettersituationen in meinem Garten konkret aus? Wie sind die lokalen Bedingungen in meinem Garten, welche Standortfaktoren muss ich berücksichtigen? Das ist gleichsam die Quintessenz des Buches: Es geht darum, die passende Pflanze für den vorhandenen Standort finden, und nicht darum, den Standort an die Pflanze anzupassen. Dabei muss niemand Angst haben, eine „falsche“ Pflanze auszuwählen. Im Gegenteil, der Autor ermuntert zum Experimentieren und zum stetigen Lernen im und mit dem Garten.

Wenn der Klimawandel weiter fortschreitet, werden wir uns allerdings wohl von einigen gewohnte Arten im heimischen Garten verabschieden müssen. Das tut weh, wie bei der Buche. Beim Rasen allerdings ist der Abschiedsschmerz eher gering. Ist er doch ökologisch ohnehin höchst fragwürdig. Zudem steht mit der Teppichverbene eine schönere und lebendigere Alternative zur Verfügung. Insofern kann der Klimawandel für den Garten sogar eine Chance sein.

„Gärtnern im Klimawandel“ ist ein mutmachendes Buch. Wir können den Wandel aktiv gestalten und etwas Schönes schaffen: einen widerstandsfähigen Garten mit hohem ökologischem Wert.

Text: Kerstin Schaumburg

Info: Das Buch „Gärtnern im Klimawandel“ von Norbert Griebl ist im Februar 2022 im Haupt Verlag erschienen. 224 Seiten mit rund 400 Farbfotos. ISBN 978-3-258-08276-9