Die Nachfrage nach Wärmepumpen als alternative Heizsysteme ist in den letzten Monaten stetig angewachsen. Immer mehr Haushalte und Unternehmen wollen und müssen fossile Energieträger wie Öl und Gas ersetzen. Dabei hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass Wärmepumpen vor allem im Bestand selten die notwendige Alternative darstellen. Zu hoch sei der Wärmebedarf und zu hoch die benötigten Vorlauftemperaturen. Dass das nicht zwingend der Fall ist und sich eine genauere Analyse gerade in der Bestandssanierung lohnen kann, hat unsere Kundin SIEDA GmbH aus Kaiserslautern bewiesen. Sie hat 1.200 qm Bürofläche saniert und auf ein optimal aufeinander abgestimmtes, nachhaltiges Heizssystem umgerüstet. Die ökologische Sanierung mit Wärmepumpe bildet dabei das Herzstück.

Statt für einen Neubau entschied man sich bei der SIEDA GmbH für die Kernsanierung. Bei einer Sanierung ist gegenüber einem Neubau eine deutlich geringere Menge an „grauer Energie“ erforderlich. Das ist die Gesamtenergie, die bei der Herstellung, beim Transport oder bei der Lagerung eines Produktes entsteht. Dabei ist es gelungen, den Heizwärmebedarf auf 16,1 Kilowattstunden (kWh) pro qm und Jahr zu senken – ein Wert, der nur geringfügig über dem Niveau eines Passivhauses liegt. Das Gebäude wird mit Geothermie (Erdwärme) über eine Wärmepumpe mit 26,7 Kilowatt (kW) Leistung versorgt. Über Deckenkollektoren werden die Büroräume im Winter beheizt und im Sommer gekühlt. Für die Erdwärme wurden insgesamt fünf Erdbohrungen mit einer Tiefe von jeweils 150 Metern durchgeführt.

Tiefbohrungen für die Erdsonden der Wärmepumpe (Rechte: SIEDA GmbH)

Das Bürogebäude ist außerdem mit einer dezentralen Lüftungsanlage mit mehr als 80 Prozent Wärmerückgewinnung ausgestattet. Dadurch werden eine gleichbleibend gute Luftqualität und eine bestmögliche Nutzung der Abwärme gewährleistet. Im Sommer verschattet eine automatische Steuerung die Büroräume durch außerhalb des Gebäudes montierten Jalousien.

Auf dem Dach des Gebäudes ist überdies eine Photovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung mit 192 Modulen und einer Maximalleistung von 65 kW installiert. Die PV-Anlage kann übers Jahr rein rechnerisch den gesamten Energiebedarf der SIEDA GmbH für Rechner und Rechenzentrum sowie die Haustechnik decken. Den Reststrom liefern wir von Green Planet Energy.

Enno Tolzmann, Geschäftsführer SIEDA GmbH (Rechte: SIEDA GmbH)

Solch ein Sanierungsvorhaben gelingt nur mit sorgfältigen Planung und detaillierter Abstimmung der Gewerke. Über die größten Herausforderungen haben wir mit Enno Tolzmann, Geschäftsführer der SIEDA GmbH, gesprochen.

Green Planet Energy: Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden? Hat sich der Aufwand gelohnt?

Enno Tolzmann: Absolut! Natürlich gibt es immer Aspekte, die man in der Rückschau gerne anders gelöst hätte. In der Summe bin ich aber zufrieden.

Um wie viel Prozent haben Sie Ihren Energiebedarf durch die Sanierung reduzieren können?

Enno Tolzmann: Im Vergleich zu den Verbrauchswerten des Gebäudes vor der Sanierung haben wir den Energiebedarf pro Quadratmeter um 95 Prozent reduziert. Hinzu kommt, dass wir nun kein Erdgas mehr als Energieträger einsetzen. Wir konnten außerdem den Strombedarf für unsere IT um rund 20 Prozent reduzieren, da wir im neuen Gebäude einen modernen Serverraum nutzen.

Was waren bei der Planung mit Blick auf die Wärmepumpentechnologie mitsamt Tiefenbohrungen die Herausforderungen?

Enno Tolzmann: Die Genehmigung der Tiefenbohrung hat gut sechs Monate gedauert. Da das Gebäude in der Nähe des Hauptbahnhofs liegt, mussten wir im Vorfeld der Bohrungen zusätzlich durch eine Spezialfirma eine Prüfung auf Kampfmittel durchführen lassen.

Was hätten Sie im Nachhinein lieber anders gemacht?

Enno Tolzmann: Wir haben erst relativ spät bemerkt, dass die Statik des Gebäudes nicht der Dokumentation entsprach. Das führte zu Verzögerungen und erheblichen zusätzlichen Kosten.

Was raten Sie anderen Unternehmen, die über ein ähnliches Vorhaben nachdenken?

Enno Tolzmann: Bei einer Gebäudesanierung gibt es immer Überraschungen. Eine gute Aufklärungsarbeit zu Beginn des Projektes ist hilfreich. Der Architekt sollte sich außerdem mit Sanierungen gut auskennen. Bewährt hat sich auch der Ansatz, für das Gewerk „Haustechnik“ einen Spezialisten für Passivhäuser einzusetzen.

Und was haben Sie jetzt noch auf der Agenda?

Enno Tolzmann: Wir wollen nach der Immobilie auch unsere Mobilität klimafreundlich umstellen und planen für die nähere Zukunft mehrere Ladestationen für moderne E-Fahrzeuge.

INFO: Auch Green Planet Energy baut sein Angebot für die Wärmewende weiter aus. Für unsere Genossenschaftsmitglieder haben wir ein Angebot einer ökologische Sanierung mit Wärmepumpe im Bestand entwickelt. Informationen dazu finden Sie hier: Wärmepumpe kaufen | Green Planet Energy (green-planet-energy.de)