Das Dorf Lützerath im rheinischen Braunkohlerevier soll den Baggern und der klimaschädlichen Kohleverstromung weichen. Doch der Widerstand dagegen ist größer denn je. Mehrere hundert Aktivist:innen leben derzeit im Dorf, tausende weitere Menschen sind am Sonntag ebenfalls zur Abbruchkante gekommen und haben sich am Protest beteiligt. Auch Kolleg:innen von Green Planet Energy waren vor Ort. Unsere Energiegenossenschaft unterstützt die Protestbewegung schon lange.

„Dass Herr Habeck Lützerath an RWE verschenken mag, ist so falsch und schlimm, dass ich wütend bin“, sang die Kölner Band AnnenMayKantereit beim Konzert in Sichtweite der Braunkohlebagger – und sprach den Menschen aus dem Herzen, die an diesem Sonntag direkt an die Abbruchkante gekommen waren, um gegen die Räumung von Lützerath zu protestieren. Viele waren mit ihren Kindern gekommen, auch Künstler, Chöre und Blaskapellen waren da. Der Protest war kreativ-musikalisch, meist friedlich – und groß. Bis zu 3.000 Menschen hatten sich in Lützerath am Tagebau Garzweiler II versammelt.

Politischer Kompromiss reicht den Menschen vor Ort nicht

Der Energiekonzern RWE will das Dorf abreißen, um darunter liegende Braunkohlevorkommen auszubeuten. Die riesigen Schaufelbagger sind bereits bis kurz vor das Dorf herangerückt. RWE behauptet, der Kohleabbau hier sei nötig, um die Energieversorgung zu sichern. Und die Politik in Bund und Land verweist auf einen Deal mit dem RWE-Konzern, wonach im Gegenzug für die Dorf-Zerstörung der Kohleausstieg ja auf 2030 vorgezogen wurde.

An der Abbruchkante warten die Bagger. Alle Fotos: Oliver Tjaden / Green Planet Energy eG

Den Menschen hier vor Ort reicht das nicht. Eindrucksvoll war der sichtbare Widerstand an diesem Sonntag: „Die Abbruchkante war zeitweise voll von Menschen – selbst die Kohlebagger haben ihre Arbeiten zeitweise unterbrochen“, sagt Valerie Lange. Die Mitarbeiterin von Green Planet Energy ist zusammen mit mehreren ihrer Hamburger Kolleginnen ebenfalls ins Dorf gekommen. Das GPE-Team verteilte dort zum Beispiel Info-Materialien aus unserer Kampagne für einen möglichst schnellen Kohleausstieg. „Hier herrschte den ganzen Tag über eine tolle Atmosphäre, es gab viel Zuspruch und Beteiligung. Auch Menschen, die nur kurz vorbeischauten, haben mit angepackt, um beim Protest ganz praktisch mitzuhelfen“, berichtet Valerie Lange.

Konfrontationen mit der Polizei blieben nicht aus.

Und der Sonntag hatte es in sich: Höhepunkt war ein organisierter Dorfspaziergang, „der angesichts der schieren Masse an Menschen oftmals kaum vorankam“, so Lange. „Einige Aktivist:innen sagten: ‚So voll war es hier noch nie!‘“ Und beim öffentlichen Aktionstraining ließen sich die Protestierenden von Medien und Besucher:innen dabei beobachten, wie sie Sitzblockaden und das anschließende Wegtragen durch die Polizei übten.

„So voll war es hier noch nie“

Tatsächlich kam es im Verlauf des Tages auch zu einzelnen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Der Sonntag verlief auch für das Team von Green Planet Energy übrigens nicht ohne Überraschungen: Schon in Hamburg wurde ihr Bus mit rund 50 weiteren Klima-Aktivist:innen für mehrere Stunden von der Polizei gestoppt, Personalien überprüft.

Valerie Lange (2. v.r.) und das Team von Green Planet Energy vor Ort beim Protest-Sonntag.

Schon lange vor dem jetzigen Protest-Wochenende hat die Energiegenossenschaft die Arbeit der Lützerath-Protestler:innen aktiv unterstützt, auch mit Spenden. „Außerdem setzen wir im benachbarten Ort Keyenberg ein Zeichen für klimaverträglichen Energie-Strukturwandel“, berichtet Lange. Keyenberg kann sich inzwischen rechnerisch selbst mit sauberem Solarstrom von eigenen Dach-PV-Anlagen versorgen, deren Bau Green Planet Energy ermöglicht hat.

Provisorischen Arbeitsplatz im Protest-Dorf eingerichtet

Der Protest in Lützerath geht auch angesichts der bevorstehenden Räumung und Abbaggerung weiter. Und Valerie Lange bleibt erst einmal vor Ort. Sie hat ihr Büro provisorisch direkt ins Mahnwachen-Lager verlegt, will nicht nur mit ihrer energiepolitischen Expertise die Aktivist:innen unterstützen – sondern auch mit ihrer Anwesenheit, als Augenzeugin und Kommentatorin vor Ort, „auch abseits der Protest-Großereignisse, wenn ohnehin alle Kameras auf Lützerath gerichtet sind.“

Protest-Dorf in Lützerath.

Das allerdings dürfte bald schon wieder so weit sein: Am kommenden Wochenende ist eine Groß-Demonstration für den Erhalt von Lützerath geplant. Es sind entscheidende Wochen für das bedrohte Dorf am Tagebau Garzweiler. Und die Unterstützung für seinen Erhalt, das hat der vergangene Sonntag gezeigt, ist größer denn je.

Mehr zur kommenden Demo: Für Samstag, 14. Januar um 12 Uhr, rufen Organisationen wie die Fridays for Future, Greenpeace, BUND, Campact und zahlreiche weitere Initiativen zu einer Protest-Demonstration für den Erhalt von Lützerath und für mehr Klimagerechtigkeit auf. Green Planet Energy schließt sich diesem Aufruf an – und wir werden wieder selbst vor Ort sein. Wenn auch Sie am kommenden Wochenende mit dabei sein wollen, um die NRW-Landesregierung aufzufordern, die Räumung von Lützerath zu stoppen und die dortige Kohle im Boden zu lassen, so finden Sie alle wichtigen Informationen zu Ablauf und Anreise hier.